Reizmagen

In Deutschland leidet jeder Dritte ab und zu unter Verdauungsstörungen. Treten die Beschwerden im Oberbauch nicht aufgrund organischer Krankheiten auf, spricht der Fachmann von einem Reizmagen, bzw. von der funktionellen Dyspepsie.

Symptome: Bei einem Reizmagen klagen Betroffene oftmals über ein Völlegefühl, Appetitlosigkeit

und über krampfartige Beschwerden im Oberbauch. Diese Symptome können von Sodbrennen begleitet werden. Wer unter einem Reizmagen leidet, beobachtet häufig ein schnelles Sättigungsgefühl beim Essen und Übelkeit bis hin zum Erbrechen nach den Mahlzeiten. Einige Menschen leiden nicht nur an einem Reizmagen, sondern auch an einem Reizdarm, beide Erkrankungen gehen oft ineinander über.

Ursachen: Die genauen Ursachen des Reizmagens sind leider nicht bekannt. Es ist dennoch erwiesen, dass zahlreiche Betroffene ein extrem empfindliches Nervensystem im oberen Bereich des Magen-Darm-Traktes haben. Die Beschwerden werden dann durch Reize wie Stress oder falsche Ernährung ausgelöst. Eine mögliche Ursache kann auch die Trägheit der Muskulatur der Magenwand sein, dadurch bleiben Speisereste zu lange im Magen und können die Schmerzen und das Unwohlsein auslösen. Eine zu schnelle Magenentleerung kann ebenfalls zu einem Reizmagen führen.

Äußere Lebensbedingungen können starken Einfluss auf den Magen haben, da ein Geflecht aus über 100 Millionen Nervenzellen den gesamten Verdauungsapparat umschließt. Es ist nach dem Gehirn das zweitgrößte Nervensystem des menschlichen Körpers und wird deshalb oftmals als „Bauchhirn“ bezeichnet. Es kann eigenständig funktionieren ohne Mithilfe des Gehirns. Daher ist dieses Nervensystem auch anfällig für Stress und Kummer.

Die Apotheke hilft: Da der Reizmagen oft mit verschiedenen Symptomen auftritt, helfen hiergegen insbesondere Produkte, die eine Kombination mehrerer Wirkstoffe enthalten. So können mit einem einzigen Präparat mehrere Beschwerden gelindert werden. Vor allem kombinierte Extrakte aus der Bitteren Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminz, Schöllkraut und Süßholzwurzel fördern das Wohlbefinden bei einem Reizmagen. Miteinander kombiniert wirken die Auszüge verschiedener Heilpflanzen entkrampfend, antientzündlich und/ oder beruhigend.

Vor allem die Bittere Schleifenblume (Iberis amara) kann helfen, denn sie wirkt gleichzeitig entspannend und anregend: während die obere Magenmuskulatur entspannt wird, der Druck im Magen nachlässt und und das Aufsteigen der Magensäure in der Speiseröhre verhindert wird, wird die Magenmuskulatur im unteren Teil des Magens angeregt, so dass die verdaute Speise rasch weiter transportiert werden kann. Zudem wird der Ringmuskel zwischen Magen und Speiseröhre aktiviert – dadurch entsteht ein Schutz gegen das Aufsteigen von Magensäure und somit gegen Sodbrennen. Aufgrund der guten Verträglichkeit der Extrakte, sind viele Heilmittel auch für Kinder bestens geeignet. Dennoch sollte stets ein Kinderarzt informiert und mit einbezogen werden, um mögliche organische Erkrankungen auszuschließen.

Arzneimittel mit dem Wirkstoff Butylscopolamin schaffen schnelle Abhilfe gegen krampfartige Beschwerden im Bauchraum. Produkte mit Pfefferminz- und Kümmelöl enstspannen die Magenmuskulatur. In der Apotheke sind außerdem Tees erhältlich, die bitterstoffhaltige Bestandteile sowie Pfefferminzblätter, Kamille und Schafgarbe enthalten. Wird der Reizmagen durch Stress oder durch fettreiche Mahlzeiten ausgelöst, kann das Homöopathikum Nux Vomica hinzugezogen werden (D6, drei Mal täglich fünf Globuli).

Was Sie noch tun können:

  • Gesunde Ernährung und der Verzicht auf eisgekühlte Getränke, sehr fette und sehr süße Speisen

  • Wärmflaschen oder erwärmte Kirschkernkissen wirken krampflösend auf den Magen

Arztbesuch sollte erfolgen bei: Halten die Beschwerden im Oberbauch länger als einen Monat an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Treten folgende Symptome auf, ist ein sofortiger Arztbesuch unumgänglich:

  • Veränderter Schmerz: plötzliche, heftige Schmerzen oder Schmerzen, die in den linken Arm oder in den Brustkorb ausstrahlen. Dahinter kann sich ein Herzinfarkt verbergen

  • Blutbeimengungen: befindet sich Blut im Erbrochenen, kann dies auf Ösophagusvarizen oder auf ein blutendes Geschwür im Magen oder Zwölffingerdarm hindeuten

Der Reizmagen ist eine Ausschlussdiagnose. Darunter versteht man, dass keine organischen Krankheiten vorliegen, welche die Beschwerden auslösen. Damit also ein Reizmagen diagnostiziert werden kann, muss der Arzt vorerst organische Erkrankungen ausschließen. Oftmals wird eine Ultraschalluntersuchung des Bauches gemacht. Aufschlussreicher sind zudem Untersuchungen des Blutes und/ oder einer Stuhlprobe sowie eine Magen-Darm-Spiegelung, die sogenannte Ösophago-Gastro-Duodenoskopie.

Übrigens: Nach einer üppigen, fettigen Mahlzeit kommt es bei einigen Patienten zu einer übermäßigen Bildung von Gasen im Magen- und Darmbereich. Diese können sich aufblähen und auf das Zwerchfell und Herz drücken. Mögliche Folgen sind starke Beklemmungsgefühle, ähnlich wie bei einer Herzenge (Angina pectoris). Dieses Phänomen wird in der Medizin als Roemheld-Syndrom bezeichnet.