Mittwoch, 4. Mšrz 2015

Neuer Wirkstoff gegen Multiple Sklerose

M√§rz 11, 2010 von  
Kategorie: Pharmazie

¬© Franz Pfluegl - Fotolia.comGute Aussichten f√ľr Patienten: ein neuer Wirkstoff zum Schlucken soll k√ľnftig die durch die Multiple Sklerose bedingten Krankheitssch√ľbe reduzieren.

Bisher mussten sich Patienten, die unter Multipler Sklerose (MS) leiden, unangenehme Spritzen √ľber sich ergehen lassen. Alternative Heilmethoden waren bislang nicht bekannt, um die auftretenden Krankheitssch√ľbe effektiv zu hemmen. Die orale Medikation war nicht m√∂glich, da der Darm die zugef√ľhrten Arzneimittel sofort verdauen w√ľrde. Dennoch zeigt die Medizin Fortschritte: nun soll eine Pille namens Laquinimod auf den Markt kommen, welche die l√§stigen Spritzen ersetzen soll. Derzeit wird sie in einer zweij√§hrigen Testphase auf ihre Wirksamkeit erprobt. Zahlreiche Kliniken in den Vereinigten Staaten, Europa und Israel beteiligen sich an der innovativen Forschung, darunter auch das J√ľdische Krankenhaus Berlin.

Bei der Multiplen Sklerose bek√§mpft die eigene K√∂rperabwehr das Nervensystem. Diese Attacken rufen in Gehirn und R√ľckenmark Entz√ľndungen hervor und hinterlassen Narben. Dadurch ver√§ndert sich die Struktur des Gewebes (deshalb der Name Sklerose), es erh√§rtet sich und behindert die Leitfunktion der Nerven. Infolge dessen werden L√§hmungen, Gangsicherheiten sowie Sehst√∂rungen und ein Taubheitsgef√ľhl hervorgerufen.

Bislang gibt es keine Medikamente, welche die Krankheit heilen k√∂nnen. Die Basisbehandlung zielt statt dessen darauf ab, einen Schutz vor den schubweisen Attacken des Immunsystems zu bilden. Dadurch kann der Krankheitsverlauf deutlich eingeschr√§nkt werden, zudem nimmt die Intensit√§t der jeweiligen Sch√ľbe ab.

Mediziner erhoffen sich durch den neuen Wirkstoff Laquinimod eine innovative Therapiema√ünahme. Bisherige Studien konnten die Wirksamkeit zumindest nachweisen: im Vergleich wurde Testpersonen entweder der Wirkstoff Laquinimod oder ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht: MS-Patienten, welche die neue Pille erhielten, zeigten 40 Prozent weniger entz√ľndliche L√§sionen als die Patienten, die lediglich den Placebo erhielten. Wissenschaftler der Universit√§t Bochum, welche das neue Mittel ebenfalls testen, haben keine Zweifel, dass es die selbstangreifenden Abwehrzellen aufhalten kann, so dass diese ihre Angriffsziele in Gehirn und R√ľckenmark nicht erreichen. Zudem wird durch das Medikament vermutlich nicht die Stabilit√§t des Immunsystems beeintr√§chtigen. Diesen Nachteil brachte n√§mlich das bekannte, hoch wirksame Medikament Natalizumab mit sich. Vier von 30.000 MS-Patienten die mit Natalizumab behandelt wurden bekamen aufgrund eines hartn√§ckigen Virus eine schwere Gehirnerkrankung, die sogenannte progressive multifokale Leukenzephalopathie. Glatirameracetat oder Interferon beta helfen Patienten seit vielen Jahren, die MS bedingten Sch√ľbe zu reduzieren oder abzuschw√§chen, doch m√ľssen diese Wirkstoffe mehrmals pro Woche gespritzt werden. Viele Betroffene leiden unter dieser Behandlungsma√ünahme, zudem kann es hierbei schnell zu R√∂tungen, Schwellungen und Infektionen an der Einstichstelle kommen.

Der Fortschritt in der Wissenschaft ist jedoch ein kleiner Lichtblick f√ľr MS-Patienten. Derzeit werden einige verschiedene Wirkstoffe gegen Multiple Sklerose getestet (z.B. Fingolimod, Teriflunomid und Fumars√§ure), die k√ľnftig in Tablettenform erh√§ltlich sein sollen. Bislang sieht es aber ganz danach aus, als w√ľrde Laquinimod als erstes Medikament in Deutschland seine Zulassung bekommen. Die aktuellen Studien zeigen durchweg positive Ergebnisse. Bew√§hrt sich Laquinimod in der derzeitigen Testphase, k√∂nnen Patienten aller Wahrscheinlichkeit nach in zwei bis drei Jahren von der neuen Pille profitieren.