Montag, 25. Juni 2018

Epilepsie

April 12, 2010 von  
Kategorie: Krankheiten

Menschen mit Epilepsie bekommen Krampfanfälle, die auf eine Fehlstörung der Nervenzellen im Gehirn zurückzuführen sind. In Deutschland leiden etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung, also jeder 200. Bundesbürger, unter epileptischen Attacken. Besonders häufig beginnen die Krampfanfälle in den ersten Lebensjahren oder ab dem 60. Lebensjahr. Dennoch kann die Krankheit jederzeit in jedem Alter auftreten. Ein erstmaliger Anfall bedeutet jedoch keinesfalls, dass weitere Krampfattacken zwangsweise folgen oder gar regelmäßig wiederkehren. Schätzungsweise erleidet jeder zehnte Bundesbürger einmal in seinem Leben einen epileptischen Anfall.

Symptome: Die Symptome richten sich nach Art des Anfalles. Mediziner unterscheiden zwischen dem fokalen Anfall, der lediglich in einer bestimmten Körperregion auftritt und dem generalisierten Anfall, der sich im gesamten Körper ausbreitet. Ein fokaler Anfall kann außerdem zu einem generalisierten Anfall führen.

Bei dem fokalen Anfall treten die Symptome entsprechend der betroffenen Hirnregion auf. Einige Patienten haben Wahrnehmungsstörungen und Muskelzuckungen. Ist die Sehrinde betroffen, nehmen viele Menschen Lichtblitze oder ähnliche optische Eindrücke wahr. Beginnen die Gliedmaßen zu zucken, kann die Ursache in der entgegengesetzten Hirnhälfte festgemacht werden. Während des einfachen fokalen Anfalls ist der Patient bei Bewusstsein, er nimmt die Umgebung wahr und ist in der Lage zu kommunizieren. Bei einem komplexen fokalen Anfall hingegen kommt es zu Bewusstseinsstörungen und Automatismen (unkontrollierbare Bewegungen wie zum Beispiel Kauen und Schmatzen).

Bei dem generalisieren Anfall ist das ganze Gehirn betroffen. Doch auch bei diesen Krampfattacken können die Symptome ganz unterschiedlich ausfallen. Bei der bekannten, „klassischen“ Epilepsie (Grand-Mal-Epilepsie) fällt der Patient in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Die gestreckten Arme und Beine gehen mit einer extremen Muskelanspannung einher, das wiederum zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führt. Durch den Sauerstoffmangel kann sich die Haut des Betroffenen bläulich färben (Zyanose). Innerhalb der nächsten 10 bis 30 Sekunden beginnt die sogenannte klonische Phase, die von Heftigen Zuckungen der Arme und Beine begleitet wird. Nach spätestens zwei Minuten ist der Krampfanfall jedoch meistens wieder vorbei. Viele Betroffene können sich dann an den Anfall selbst nicht mehr erinnern, bekommen aber infolge der heftigen Muskelzuckungen oftmals Muskelkater. Während der epileptischen Attacke können Harn- und Stuhlgang sowie Zungenbisse nicht kontrolliert werden.

Bei einer anderen Form der Epilepsie tritt die Bewusstseinsstörung nur wenige Sekunden lang auf. Patienten haben dann meistens einen starren, leeren Blick, der nicht selten mit Augen-, Kopf- und Mundbewegungen einher geht (Abscencen). Bei den Myoklonien zucken Arme und Beine ähnlich wie beim Einschlafen.

Ursachen: Die Epilepsie wird durch ein dysfunktionales Nervensystem ausgelöst. Lediglich vereinzelte Formen der Epilepsie können auf genetische Faktoren zurückgeführt werden. Oftmals lassen sich die verschiedenen Ausprägungen der Krankheit aber nicht klar abgrenzen, sondern gehen ineinander über. Allgemein unterscheiden Mediziner zwischen drei verschiedenen Arten: Während bei der idiopathischen Epilepsie die Ursachen noch weitgehend unbekannt sind, wird bei der symptomatischen Epilepsie die Erkrankung häufig durch folgende Faktoren ausgelöst: Gehirnfehlbildungen, Gehirnschädigungen (z.Bsp. infolge von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen), Schlaganfall, Gehirntumore, Vergiftung, übermäßiger Alkoholkonsum, Gehirn- und Gehirnhautentzündung, Hirnverletzung, Stoffwechselerkrankungen, Medikamentenmissbrauch sowie genetische Störungen. Bei der dritten Form (kryptogene Epilepsie) kann die Ursache zwar nicht genau bestimmt werden, vermutlich liegen aber Störungen im Gehirn vor.

Selbst gesunde Menschen erleiden manchmal in ihrem Leben einen oder wenige Anfälle. Gründe hierfür sind möglicherweise ein ausgeprägtes Schlafdefizit, schnelles Fackellicht (Fernsehen oder Disco), Hyperventilation (rasche Atmung), Alkohol- oder Medikamentenentzug sowie ein Ungleichgewicht des Mineralhaushaltes im Körper. Diese Faktoren können zumeist von den Betroffenen selbst kontrolliert werden.

Diagnose: Sofern ein epileptische Anfall auftritt, sollte der Arzt aufgesucht werden, damit die Ursachen so schnell wie möglich geklärt werden können. Wichtig dabei ist, dass der Patient die Symptome so genau wie möglich beschreibt bzw. Zeugen des Anfalls schildern, was sie gesehen haben, damit eine Diagnose gestellt werden kann. Mithilfe eines EEGs und unter Umständen eines Kurzzeit-Schlaf-EEGs kann geprüft werden, ob eine erhöhte Bereitschaft zu epileptischen Anfällen besteht. Sinnvoll kann zudem eine Kontrolle des Nervenwassers (Liquordiagnostik) sein. Hirnschäden lassen sich hingegen anhand der Computer-Tomographie (CT) sowie der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) erkennen. Letztendlich gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss über verursachende Erkrankungen.

Behandlung: Medikamente (Antiepileptika) werden verabreicht, sofern mindestens zwei Anfälle mit Bewusstseinsstörungen innerhalb eines Jahres auftreten. Die Arzneimittel können den nächsten Anfall deutlich hinauszögern, bei den meisten Patienten stellen sich die epileptischen Attacken sogar völlig ein. Schlägt ein einzelnes Präparat nicht an, kann die Medikation auf ein Kombinationspräparat mit zwei Wirkstoffen umgestellt werden. Nach drei bis fünf anfallfreien Jahren ist es möglich, die Medikamente langsam abzusetzen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das EEG keine Auffälligkeiten zeigt und erneute Anfälle unwahrscheinlich sind. Ziel der Therapie ist es, die Anfälle zu vermeiden, zu mindern sowie die Nebenwirkungen des Anfalls zu reduzieren, damit der Patient ein beschwerdefreieres Leben führen kann. Auf eigene Faust, also ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, sollten die Medikamente niemals abgesetzt werden.

Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen: Tritt ein epileptischer Anfall das erste Mal auf, bei Unsicherheiten oder wenn Verletzungen festgestellt werden, sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Ist die Epilepsie bei einem Menschen bekannt, ist dies oft nicht notwendig. Dann sollten die Angehörigen den Patienten beobachten und nahe stehende Gegenstände wie Stühle oder Tische außer Reichweite bringen. Des weiteren ist der Anruf beim Notarzt zwingend nötig, wenn der Krampfanfall länger als 10 Minuten anhält oder der Patient zwischen zwei Anfällen sein Bewusstsein nicht erlangt.

Übrigens: Sofern einmalig ein Krampfanfall auftritt, sprechen Mediziner hierbei nicht von Epilepsie. Erst wenn mindestens zwei Attacken innerhalb eines Jahres auftreten, handelt es sich um epileptische Anfälle.