Donnerstag, 24. Juli 2014

Gesundheitscheck vor einer Flugreise

April 16, 2010 von  
Kategorie: Reiseapotheke

© Udo Kroener - Fotolia.comInsbesondere in den Sommermonaten entscheiden sich viele Urlauber für das Flugzeug als Reisetransportmittel. Kein Wunder, denn mit dem Flugzeug ist schnelles und bequemes Reisen möglich. Doch vor Antritt der Flugreise sollten einige Aspekte beachtet werden, damit die Gesundheit nicht gefährdet wird.

Flugtauglichkeit: Patienten mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen sollten vor der Flugreise mit dem Arzt abklären, welche Risiken diese birgt. Vor allem folgende Erkrankungen können sich während der Flugreise bemerkbar machen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßerkrankungen, Anämien Hb < g/dl, pulmonalen Erkrankungen, gastro-intestinalen Erkrankungen, renalen Erkrankungen, Stoffwechselkrankheiten, Diabetes, HNO-Erkrankungen, Augenleiden, neurologische und psychiatrische Erkrankungen sowie infektiöse Krankheiten. Zudem gibt es viele Fluggesellschaften, welche Frauen ab der 32. Schwangerschaftswoche nicht mehr oder nur unter Vorlage eines ärztlichen Attest befördern. Nach einer Operation oder einem Unfall kann es ebenfalls während des Fliegens zu Komplikationen kommen.

Sofern ein Transport von Kranken oder Behinderten in einem Linienflugzeug gewünscht wird, sollten vor Reiseantritt mit der Fluggesellschaft Absprachen getroffen werden. Damit kann sicher gestellt werden, dass die Reise ohne unerwarteten Zwischenfällen angetreten werden kann. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist es ratsam, stets ein ärztliches Attest mitzuführen. Vor allem, wenn spitze Gegenstände im Handgepäck – wie eine Injektionsnadel – mitgeführt werden müssen, ist eine vorherige Vereinbarung mit der Fluggesellschaft unumgänglich. Des weiteren werden medizinische Gegenstände (intracorporale Metallgegenstände) wie Schrittmacher, Defibrillatoren und künstliche Gelenke bei der Sicherheitskontrolle entdeckt. Führen Sie daher in jedem Fall eine ärztliche Bescheinigung mit sich, welche das risikofreie Fliegen bestätigt.

Flugangst: Die Flugangst ist ein weit verbreitetes Phänomen. Bis zu 60 Prozent der Flugreisenden leiden unter der psychischen Erkrankung. Oft hilft es, sich dieser Angst zu stellen. Eine gewisse Vorbereitung ist dennoch dringend zu empfehlen. In der Apotheke gibt es einige Medikamente, welche gut verträglich und wirksam sind sowie die Angstsymptome deutlich reduzieren. Bewährt hat sich bei vielen Betroffenen das Angst lösende Arzneimittel Lorazepam. Es sollte am Abend vor der Reise (0,5 mg) bzw. ein bis zwei Stunden vor Abflug eingenommen werden.

Alternativ bieten einige deutsche Fluggesellschaften sogenannte Flugangstseminare. Wenden Sie sich bei Interesse entweder an die Deutsche Lufthansa AG oder an das Zentrum für Reisemedizin CRM.

Luftkrankheiten: Unter Luftkrankheiten (Kinetose) versteht man ein akut in Erscheinung tretendes Krankheitsbild in einem Flugzeug. Bei Betroffenen treten typische Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Motivations- und Konzentrationsverlust, Apathie, kalter Schweiß, Kopf- und Bauchschmerzen und/ oder vermehrter Speichelfluss auf. Meist kann dieses Krankheitsbild auf Bewegungsreize zurückgeführt werden, welche die Gleichgewichtsorgane beeinträchtigen. Die Flugangst kann die Beschwerden außerdem verstärken. Daher kann die Minderung der Flugangst ein wichtiger Therapieansatz sein. Des weiteren sollten Sie sich einen Sitzplatz am Gang in der Rumpfmitte reservieren lassen und stets die Blickrichtung innerhalb des Flugzeuges beibehalten. Zudem kann der Luftkrankheit (Reisekrankheit) mithilfe einiger Arzneimittel entgegengewirkt werden. Sinnvoll ist die Einnahme von Antihistaminika, Anticholinergika (zum Beispiel Scopolamin als Membranpflaster Scopoderm®) oder Antiemetika (zum Beispiel Metoclopramid).

Niedriger Luftdruck in Flugzeugen: Ein Normaldruck in Flugkabinen ist technisch nicht möglich. In der Höhe nimmt der Luftdruck automatisch ab. Selbst gesunde Menschen haben damit häufig Probleme, besonders beim Landen des Flugzeuges. Kleine Tipps wie Kauen und Schlucken helfen gegen den Druck auf Mittelohr und Nasennebenhöhlen. Säuglinge sollten während der Landung ebenfalls trinken bzw. gestillt werden. Die Symptome verstärken sich bei Menschen, die eine Erkältung haben. Hier kann die Einnahme von schleimhautschwellenden Präparaten sinnvoll sein. Sporttaucher sollten 24 bis 48 Stunden vor Flugantritt nicht Tauchen.

Niedrige Luftfeuchtigkeit: Durch die trockene Luft in Flugkabinen trocknen auch die Schleimhäute schnell aus. Möglicherweise kommt es zur sogenannten Exsikkose (Austrocknung durch Minderung des Körperwassers). Flugreisende sollten im Gegenzug dazu viel trinken und unter Umständen Augentropfen benutzen. Die Apotheke bietet verschiedene Augenmedikamente, die sich auch für den Flug eignen.

Infektionskrankheiten: Infektionen werden selten im Flugzeug übertragen. Selbst bei einer Ansteckung vor der Flugreise ist der Ausbruch der Krankheit im Flugzeug unwahrscheinlich, kommt aber vor. Grundsätzlich sollten Patienten mit ansteckenden Krankheiten nicht fliegen, um andere Fluggäste nicht zu gefährden. Da sich dies jedoch kaum kontrollieren lässt, sollten Reisende sich gegen mögliche Ansteckungen schützen: auf verdächtiges oder gar verdorbenes Essen in Billigfliegern sollte dringend verzichtet werden. Um plötzlich auftretende Symptome behandeln zu können ist eine gut durchdachte Reiseapotheke im Handgepäck empfehlenswert. Loperamid-ratiopharm® schafft schnelle Abhilfe gegen Durchfall, Vomex A® hingegen hat sich bei Übelkeit und Erbrechen bisher gut bewährt. Haben Sie zudem keine Scheu einen anderen Sitzplatz zu verlangen, wenn Sie neben einem offensichtlich kranken sitzen. Sofern es freie Plätze gibt, wird Ihnen die Stewardess Ihren Wunsch bestimmt nicht abschlagen.

Übrigens gibt es seit 2007 eine Do Not Bord (DNB)-Liste in den USA, in die infektiöse Menschen aufgenommen werden und am Fliegen (international und national) gehindert werden können. Bislang sind lediglich Tuberkulose-Patienten verzeichnet.

Thrombose: Die Gefahr der Thrombose während langer Flugreisen ist bekannt. Das stundenlange Sitzen mit wenig Beinfreiheit stellt ein erhöhtes Risiko dar, vor allem bei Reisenden über 40 Jahren, Rauchern, Schwangeren, Wöchnerinnen und Herzkranken. Weitere Risikofaktoren sind Varizen, Lähmung der Beine, ein kleinerer operativer Eingriff in den vergangenen vier Tagen, Verletzungen der Beine in den letzten sieben Wochen, eine Hormontherapie sowie Ovulationshemmer (Pille). Für jeden Fluggast gilt es daher viel zu trinken, auf ausreichend Bewegung während der Reise zu achten, den Fußraum nicht mit Gepäck vollzustellen und Fußgymnastik zu betreiben. Besteht ein gewisses Risiko, sollten zusätzlich Kompressionsstrümpfe getragen werden. Bei einem erhöhten Thromboserisiko hilft außerdem niedermolekulares Heparin.

Zeitverschiebung (Jetlag): Die Erdkugel besitzt insgesamt 360 Längengrade sowie 24 Zeitzonen. Bei längeren Reisen entgegen der Längengrade ergibt sich ganz automatisch eine Zeitverschiebung. Eine Verschiebung von zwei Stunden ist normalerweise unproblematisch. Wird die Zeit jedoch viele Stunden vor oder zurück gestellt, leiden viele Reisende unter dem sogenannten Jetlag, welches aufgrund der Desynchronisation zwischen der biologischen/ inneren Uhr und der tatsächlichen Uhrzeit entsteht. Mit kleinen Mahlzeiten vor und während der Reise (auf Kohlenhydrate möglichst verzichten) kann dem Jetlag entgegengewirkt werden. Zudem ist es hilfreich das Tageslicht zu nutzen sowie Stress ein bis zwei Tage vor der Reise zu vermeiden. Bei Kurzreisen unter fünf Tagen sollte die Heimatuhrzeit so gut wie möglich beibehalten werden.

Medikamente wie leichte Einschlafmittel können ebenfalls Abhilfe verschaffen, allerdings wird von der Therapie mit Analeptica und Hypnotica dringend abgeraten. Bei Unsicherheiten berät Sie Ihr Apotheker, er kann Ihnen einige Alternativen aufzeigen und geeignete Arzneimittel empfehlen.