Dienstag, 29. Juli 2014

Diabetes mellitus: Insulin und Tabletten

Juli 23, 2011 von  
Kategorie: Diabetes mellitus, Krankheiten

Insulin

Das Hormon wurde 1922 erst entdeckt. Davor war Diabetes eine tödliche Krankheit. Dabei starben die Diabetiker an den Hungerkuren, mit Hilfe sie den Blutzucker niedrig halten wollten oder sie erlagen dem diabetischen Koma nach einer Überzuckerung.

Früher wurde das Hormon aus Schlachttieren gewonnen, heute verwendet man gentechnisch hergestellte Insuline, die dem menschlichen Insulin identisch sind.

Beim Gesunden besteht immer ein Mindestangebot an Insulin im Blut und nach Nahrungsaufnahme wird entsprechend der Kohlenhydratmenge Insulin vermehrt ausgeschüttet. Diese Basalrate an Insulin und die hohen Insulinmengen nach dem Essen müssen bei der Behandlung des Diabetikers mit beachtet werden.

Die benötigte Insulinmenge muss immer individuell berechnet werden, wobei zwischen der Basalrate und den Mahlzeiten abhängigen Insulinmengen unterschieden werden muss. Zu Beginn der Therapie muss gemeinsam mit dem Arzt die Insulinempfindlichkeit der Zellen herausgefunden werden.

> Insulinarten

Die unterschiedlichen Arten von Insulin unterschieden sich hinsichtlich ihrer Wirkdauer und dem Dauer bis zum Wirkungseintritt.

-          Altinsulin (= Normalinsulin)

Das Insulin wirkt schnell (15 bis 30 Minuten), aber nur für kurze Zeit. Die Zeit bis zum Wirkungseintritt muss bevor gegessen wird eingehalten werden (sogenannter Spritz-Ess-Abstand)

-          Analoginsulin

Dabei handelt es sich um gentechnisch verändertes Insulin, was kürzer oder länger wirken kann im Gegensatz zum menschlichen Insulin. Es gibt auch sehr kurzwirksame Insuline bei denen der Spritz-Ess-Abstand sogar entfallen kann.

-          Langzeit- und Verzögerungsinsulin

Dieses soll die Basalrate der Insulinkonzentration im Körper nachahmen. Die Zufuhr erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten.

-          Mischinsuline

Darunter versteht man Mischungen aus kurz- und langwirksamen Insulinen.

Vor Beginn der Insulintherapie werden die Diabetiker von ihrem Arzt intensiv geschult. Wenn darüber hinaus Fragen oder Probleme auftreten, können Sie sich jeder Zeit Hilfe bei Ihrem Arzt oder Apotheker suchen.

> Warum Insulin nicht als Tablette?

Chemisch gesehen ist Insulin ein Eiweiß und würde als Tablette geschluckt durch die Magensäure verdaut werden. Daher wird Insulin unter die Haut (subcutan) gespritzt. Langsam gelangt es von dort aus in den Blutkreislauf. Direkt in die Blutgefäße gespritzt würde es zu einem rapiden und damit gefährlichen Blutzuckerabfall kommen.

> Was muss beim Insulinspritzen beachtet werden?

Die Injektion erfolgt ins Unterhautfettgewebe. Die Körperstelle (Bauch, Oberarm oder Oberschenkel) ist dabei von der Tageszeit und körperlichen Konstitution abhängig. Es sollte darauf geachtet werden, dass nicht immer die gleiche Hautstelle genutzt wird, da es sich sonst an dieser Stelle Verdickungen bilden können.

> Wie soll Insulin gelagert werden?

Das Insulin muss kühl ( + 8°C) gelagert werden. Das Gemüsefach des Kühlschranks bietet sich dabei an. Stärkere Temperaturschwankungen können die Wirkung des Insulin beeinträchtigen. Die gerade genutzten Insulinpens dürfen auch bei Raumtemperatur gelagert werden. Fährt man länger in den Urlaub, empfiehlt es sich den Insulinvorrat in einer Kühlbox zu transportieren.

> Insuline zum Inhalieren?

Inhalierbares Insulin gibt es seit Mai 2006 in Deutschland. Über die Lungenoberfläche kann das Insulin in den Blutkreislauf gelangen. Bisher konnten nur kurzwirksame Insuline aus technischen Gründen inhaliert werden. Die langwirksamen Insuline müssen weiterhin gespritzt werden. Voraussetzung ist eine intakte Lungenschleimhaut. Der Arzt muss entscheiden, ob diese Methode für den jeweiligen Patienten als sinnvolle Alternative anzusehen ist.

Diabetes-Tabletten

Mit Tabletten können nur Typ2-Diabetiker behandelt werden, Typ1-Diabetiker sind immer auf das Insulin angewiesen.

Die Tabletten können als alleinige oder in Kombination mit Insulin eingenommen werden.

Acarbose und Miglitol

Diese beiden Wirkstoffe hemmen ein Enzym, das im Darm Stärke (in Kartoffeln, Nudeln oder Brot vorhanden) zu Zucker abbaut. Durch die Einnahme wird ein zu starkes Ansteigen des Blutzuckerwertes nach einer Mahlzeit verhindert. Häufige Nebenwirkungen sind Blähungen, denn gelangt die Stärke in tiefere Darmabschnitte wird diese durch die dort lebenden Mikroorganismen zu Gas abgebaut.

Metformin

Dieser Wirkstoff verhindert die Zuckerneubildung in der Leber. Weiterhin verbessert er die Zuckerverwertung über die Muskelzellen  und die Aufnahme des Zuckers durch den Darm wird verzögert. Als angenehmer Nebeneffekt senkt er auch die Blutfettwerte.

Pioglitazon und Rosiglitazon

Dies sind Glitazone bzw. Inulin-Sensitizer und bewirken eine Erhöhung der Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen.

Glibenclamid und Glimepirid

Sie gehören zur Wirkstoffgruppe der Sulfonylharnstoffe. Sie aktivieren die Bauchspeicheldrüse, damit mehr Insulin produziert wird. Diese Medikamente werden erst spät in der Diabetestherapie eingesetzt, wenn andere Maßnahmen nicht mehr ausreichend wirken. Denn in den ersten Jahren ist die Unempfindlichkeit der Muskelzellen gegenüber dem reichlich vorhandenem Insulin maßgeblich für die Diabeteserkrankung.

Bei diesen Medikamenten besteht erhöhte Gefahr einer Unterzuckerung, sodass auf eine regelmäßige Ernährung geachtet werden muss.

Neueste Medikamente dieser Gruppe sind die Glinide, zum Beispiel Repaglinid. Deren Wirkung setzt schnell ein und hält nur kurz. Somit brauchen diese nur kurz vor einer Mahlzeit eingenommen werden. Fällt die Mahlzeit aus, kann die Tablette einfach weggelassen werden, ohne dass eine Unterzuckerung droht.