Hausmittel und Tees:Regeln zum richtigen Umgang

Erst seit relativ kurzer Zeit gibt es die modernen Arzneimittel in Form von Kapseln, Tabletten oder Ampullen. Es war ein weiter Weg zum modernen Arzneimittel. Erst als die Wissenschaftler entdeckten, wie die Arzneistoffe im Labor herzustellen waren und die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert es möglich machte, diese in großer Stückzahl zu produzieren, konnte ein neues Zeitalter der Pharmazie anbrechen. Bis dahin waren die Pflanzen das grundlegende und unentbehrliche Ausgangsmaterial, aus denen die Inhaltsstoffe aufwändig gewonnen werden mussten. Bevor man noch wenig über die Inhaltsstoffe und deren Wirkung wusste, basierte Vieles auf Erfahrung und Aberglaube in der Heilkunst. Was man irdisch nicht erklären konnte wurde mystifiziert. Im mittelalterlichen Europa wurden so aus den Heilkundigen Hexen und Bräute des Teufels, die aus Angst zu ihrer Macht auf unzähligen Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Der Weg zur modernen Heilpflanzenkunde wurde erst durch die Namen wie Elisabeth von Bingen und Paracelsus mit ihren gesammelten Erfahrungen geebnet.

Unter Tee versteht man im Allgemeinen je nach Zubereitungsart die kleinen grünen oder schwarzen Bättchen der Teesträucher, die in den Hochebenen Chinas, Indiens oder Sri Lanka wachsen. Die Menschen haben sich aber noch viel mehr von der Natur zu Nutze gemacht. In der Apotheke finden sich Zubereitungen mit den verschiedensten Pflanzen und deren Bestandteile, wie Blätter, Blüten, Stängel, Rinden oder Wurzeln.

Die Wirksamkeit fast aller Arzneipflanzen wurde wissenschaftlich belegt. So lindern die Zubereitungen aus Stiefmütterchen Hautprobleme, Thymian hilft gut gegen quälenden Husten und Enzian bringt die Verdauung in Schwung. Doch die schonende Behandlung braucht Zeit, man darf keine Wirkungswunder in Minuten erwarten.  Erst nach einigen Tagen und bei regelmäßiger Anwendung treten die gewünschten Wirkungen ein. Ausnahme sind die Sennesblätter und- früchte. Sie helfen bei einem verstopften Darm sofort und stehen den chemischen Arzneistoffen in nichts nach.

Man darf jedoch nicht erwarten, dass die Heilpflanzentees und Hausmittel keine Nebenwirkungen hervorrufen können. Nur weil es „pflanzlich“ ist bedeutet das nicht gleich „nebenwirkungsfrei“. Die gute Verträglichkeit von Hausmitteln und Tees ist maßgeblich vom sachgemäßen Gebrauch abhängig. Zum Beispiel können  ätherische Öle Haut und Schleimhäute reizen.  Die unverdünnten Öle rufen bei Verschlucken Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervor. Auch allergische Reaktionen sind bei ätherischen Ölen nicht ausgeschlossen.

Regeln zum richtigen Umgang mit Hausmitteln und Tees

Baderegeln

  • Die Dauer eines Vollbades sollte nicht länger als 10-15 Minuten sein.
  • Wählen Sie die Anfangstemperatur nicht zu heiß, lieber erst durch Zulaufen von heißem Wasser die Temperatur steigern. 38°C wird zumeist als angenehme Temperatur empfunden und sollte auch bei Fuß- und Sitzbädern maßgeblich sein. Sie können in Ihrer Apotheke Badethermometer erhalten.
  • Zu häufiges Baden kann unter Umständen die Haut schädigen.
  • Verzichten Sie lieber auf Vollbäder, wenn Sie größere Hautverletzungen oder Fieber  haben und an Herzschwäche und starkem Bluthochdruck leiden.

Dampfbad

  • Bei hohen Temperaturen kann  Wasserdampf zu Verbrühungen führen.
  • Das Gesicht erst nach kurzem Abkühlen des Wassers über das Dampfbad beugen.

Richtiges Anlegen von Wickeln

  • Sie können zur Linderung vieler Beschwerden eingesetzt werden.
  • Warme Wickel: Um Verbrennungen zu vermeiden sollten Sie die Temperatur auf der Innenseite Ihres Unterarms überprüfen.
  • Kalte Wickel: Bei akuten Entzündungen (zum Beispiel Arthritis) und Schwellungen empfohlen. Vermeiden Sie Erfrierungen der Haut, in dem Sie immer ein Tuch zwischen den Eiswickel und der Haut legen. Ausnahme sind akute Schwellungen, wobei der Wickel für kurze Zeit eiskalt sein darf. Ansonsten sollte eine Temperatur zwischen 15 und 20°C erreicht werden.
  • Wickel sollten generell nur auf unverletzte Hautpartien angelegt werden.

Anwendung Ätherischer Öle

  • Bei diesen Hausmitteln ist Vorsicht geboten: Die Ätherischen Öle könne Haut und Schleimhäute reizen und empfindliche Personen können darauf auch allergisch reagieren.
  • Ätherische Öle nie unverdünnt anwenden.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern nie im Bereich des Gesichts auftragen.

Richtige Zubereitung von Tees

  • Man unterscheidet:

> Kaltaufguss: Die Mischung wird mit kaltem Wasser angesetzt und etwa eine Stunde stehen gelassen, danach Abseihen und den Tee auf Trinktemperatur erwärmen. Die Zubereitungsart wird vor allem bei Tees mit schleimstoffhaltigen Pflanzen, wie Eibischwurzel oder Isländisch Moos angewendet, um die wirksamen Schleimstoffe nicht zu zerstören.

> Abkochen: Sofern der Tee keine ätherischen Öle enthält, wird dieser mit siedendem Wasser übergossen und anschließend 10 bis 15 Minuten gekocht. Vor dem Abseihen muss er nochmals 10 bis 15 Minuten abgedeckt ziehen. Dieses Verfahren findet sich bei einigen Blatt- und Krautdrogen, wie beispielsweise bei den Bärentraubenblättern oder dem Schachtelhalmkraut. Damit können sich die Inhaltsstoffe dieser Pflanzen besser lösen.

> Heißaufguss: Dies ist die am häufigsten angewandte Zubereitungsart. Dabei wird kochendes Wasser auf die Teemischung gegossen und der Tee wird dann mindestens 10 Minuten zum Ziehen abgedeckt stehen gelassen. Danach Abseihen.

  • Sonderbehandlung:

Teesorten mit ätherischen Ölen: Die Zubereitung erfolgt mit der Heißaufguss-Methode, jedoch sollte das Wasser nicht mehr kochen, da sich sonst die ätherischen Öle bei zu hohen Temperaturen leicht verflüchtigen. Bei Früchten wie Anis, Fenchel oder Kümmel wird zusätzlich empfohlen, diese vor dem Aufgießen mit einem Mörser zu zerstoßen (ein Kochlöffel und eine Porzellanschale können auch verwendet werden). Damit können sich die ätherischen Öle besser entfalten.

Grüner Tee: Auch dieser wird mit heißen, aber nicht mehr kochendem Wasser aufgegossen. Die optimale Aufguss-Temperatur liegt hier bei 60°C. Entsprechend der Ziehdauer erhält man einen stärker (nach 2 Minuten) oder schwächer anregenden Tee(nach mehr als 3 Minuten). Das sogenannte „Teeöffnen“ bedeutet, wenn durch mehrfachen Aufguss der Koffeingehalt verringert wird. Dabei wird der erste Aufguss nach maximal einer Minute verworfen und die Blätter erneut aufgegossen. Der Tee wird dann bis zu 5 Minuten zum Ziehen stehen gelassen.

Schwarzer Tee: Auch hier beeinflusst die Ziehdauer die Wirkung: Nach 3 Minuten wirkt der schwarze Tee belebend. Bei einer Ziehdauer über 5 Minuten lösen sich zusätzlich noch Gerbstoffe aus den Teeblättern, die die Aufnahme von Koffein im Körper verhindern und damit der Tee weniger belebend wirkt.

  • Was Sie außerdem noch beachten sollten:

–   Vor dem Gebrauch sollten Sie die Teetüte oder – dose schütteln, um den Tee wieder gut zu durchmischen. Denn schwere Bestandteile wie Früchte oder Wurzeln setzen sich häufig auf dem Gefäßboden ab.

–   Indem Sie das Wasser vor dem Teeaufguss zweimal kurz aufkochen lassen,  wird das Wasser stärker entkalkt und erhalten somit eine bessere Qualität Ihres Teewassers.
Während der Ziehdauer sollten Sie den Tee ab und zu umrühren. Somit können sich die Inhaltsstoffe besser lösen und verteilen sich gleichmäßig. Durch das Abdecken

– verhindern Sie, dass sich leicht verflüchtigende Inhaltsstoffe, wie die ätherischen Öle entweichen können.
Der Tee sollte in einem dicht verschließbaren Gefäß aufbewahrt werden. Damit ist er vor Feuchtigkeit geschützt und bleibt lange frisch.

Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern

  • Die Immunabwehr und manche Organe, wie die Haut ist zu Beginn des Lebens noch nicht vollständig ausgebildet, sodass die Kinder besonders empfindlich gegenüber bestimmten Mittelchen sind.
  • Fragen Sie daher vor der Anwendung von Hausmitteln oder Teezubereitungen unbedingt einen Arzt oder Apotheker um Rat.