Freitag, 19. September 2014

Bluthochdruck: Ursachen und Therapie

März 30, 2011 by  
Filed under Krankheiten, Medizin

Der Blutdruck

Das Blut ist das wichtigste Transportmedium unseres Körpers. Es sorgt dafür, dass die Organe mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und gleichzeitig die Stoffwechselprodukte wieder abtransportiert werden. Das Herz ist für den Blutfluss der entscheidende Motor. Es baut einen Druck auf, der das Blut in alle Gefäße weiterleitet, den Blutdruck. Im Verlauf eines Herzschlages verändert sich dieser. Es ergeben sich immer zwei Werte: ein oberer systolischer und ein unterer diastolischer Blutdruckwert.

Die Systole beschreibt die Kontraktion des Herzens und wodurch im Herzen der Druck ansteigt bis es zum Blutauswurf kommt.  Dadurch steigt der Blutdruck in den Gefäßen. Danach erschlafft der Herzmuskel, die Diastole, und der Blutdruck sinkt. Diese zwei Phasen, An- und Entspannung des Herzens, wechseln sich stetig ab. Der Blutdruck der Gefäße ist damit Ausdruck für die Herzphasen mit einem maximalen Wert während der Systole und einem minimalen Wert während der Diastole. Bei gesunden Menschen beträgt der systolische/diastolische Blutdruck ungefähr 120/80 mmHg.

Bluthochdruck

Einteilung der Blutdruckwerte

Klassen systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
optimal < 120 < 80
normal < 130 < 85
„noch“ normal 130 – 139 85 – 89
leichte Hypertonie 140 – 159 90 – 99
mittelschwere Hypertonie 160 – 179 100 – 109
schwere Hypertonie > 180 > 110
isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90

(Europäische Gesellschaft für Kardiologie und Europäische Gesellschaft für Hypertonie)

Die Diagnose Hypertonie, also Bluthochdruck, wird dann gestellt, wenn zu verschiedenen Tageszeiten der Blutdruck über die Optimal- bzw. Normalwerte erhöht ist. Neben dem Schweregrad der Hypertonie nehmen auch Begleiterkrankungen und Risikofaktoren mit Einfluss auf die Wahl der Therapie. Jeder Patient erhält eine individuelle Behandlung, denn die Gefahren, die sich aus einem erhöhten Blutdruck ergeben, hängen eng mit bereits vorliegenden Erkrankungen, den Lebensumständen und zusätzlichen Risikofaktoren zusammen.

Wie entsteht Bluthochdruck?

Oft kann die Ursache nicht eindeutig geklärt werden. Doch tragen bestimmte Faktoren zur Entwicklung bei, wie Übergewicht, dauerhafter Stress, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Auch die genetische Veranlagung kann eine Rolle mit spielen. Zudem Verlieren die Blutgefäße im natürlichen Alterungsprozess durch Kalkablagerungen, sogenannten Plaques, ihre Elastizität, wodurch die Blutdruckregulation zunehmend erschwert wird. Damit haben ältere Menschen häufig einen höheren Blutdruck.

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel und andere chronische Erkrankungen wie Nierenschäden können ebenfalls zu gesteigerten Blutdruckwerten führen.

Warum muss Bluthochdruck behandelt werden?

Oft ist es nur ein Zufallsbefund beim Arzt oder in der Apotheke. Die Betroffenen hatten meist zuvor über keine Beschwerden klagen müssen, was häufig der Fall ist, denn ein moderat gesteigerter Blutdruck verursacht auch nicht unmittelbar Probleme. Ist er dauerhaft über Monate oder Jahre erhöht, stellt er ein bedeutendes Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen des Herzkreislaufsystems dar. Die Druckbelastung schwächt zunehmend das Herz, dessen Pumpleistung geht zurück und es entwickelt sich eine Herzinsuffizienz.

Auch die Blutgefäße können sich in Folge der erhöhten Belastung und des veränderten Blutstroms krankhaft verändern. Bei der Arteriosklerose kann es im Laufe von Monaten und Jahren zur Bildung entzündlicher Ablagerungen in den Blutgefäßen kommen, das Gefäßlumen wird zunehmend eingeengt und die Blut- und Nährstoffversorgung der nachfolgenden Körperregionen ist stark vermindert. Besonders gefährlich ist es, wenn eine solche arteriosklerotische Ablagerung aufgerissen wird. Ein sich dort bildendes Blutgerinnsel kann zum endgültigen Gefäßverschluss führen. Im Herzen entspricht das dem Herzinfarkt. Löst sich ein Gerinnsel und wird in eine zentrale Arterie gespült, dann kann sich daraus ein Schlaganfall entwickeln.

Weiterhin führt ein unbehandelter oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck zu schweren Schäden in Augen und Nieren. Die kleinen feinverzweigten Gefäße dieser Organe reagieren sehr empfindlich auf die erhöhte Belastung. Das Gewebe wird sich in Folge dessen strukturell verändern, was beim Auge bis zum teilweisen Verlust der Sehfähigkeit führen kann und in der Niere zu Funktionseinschränkungen (Niereninsuffizienz).

Medikamentöse Behandlung

Es konnte schon eine Vielzahl verschiedener Medikamente auf den Markt gebracht werden und durch einen angemessenen Lebenswandel ist der Bluthochdruck gut beherrschbar.

Beta-Blocker

(z.B. Atenolo, Bisoprolol, Metoprolol, Pindolol,Propanolol)

Diese Medikamentengruppe führt zur Verminderung der Herzfrequenz, dass heißt das Herz schlägt weniger in der Minute. Zusätzlich wird das Herz vor zu  großer Belastung geschützt, eine Art „Schongang“ für das Herz.  Insgesamt kommt es dann zur Blutdrucksenkung.

Calciumkanalblocker

(z.B. Nifedepin,Verapamil, Diltiazem)

Ihre Wirkung besteht darin, die Blutgefäße weit zu stellen. Dadurch wird der Druck auf die Gefäße verringert. Auch der Energieverbrauch des Herzens wird reduziert.

Diuretika

(z.B. Furosamid, Hydrochlorothiazid, Triamteren, Amilorid)

Diese Medikamentengruppe wirkt auf verschiedener Weise auf die Niere ein. Sie führen zu einer vermehrten Urinausscheidung, daher auch als „entwässernde Medikamente“ bezeichnet. Dies hat zur Folge, dass sich das Blutvolumen verringert und daher der Blutdruck sinkt.

ACE-Hemmer

(z.B. Ramipril, Captopril, Enalapril, Lisinopril)

Die Blutdrucksenkende Wirkung besteht darin, die Bildung eines stark blutdrucksteigenden Stoffes, das Angiotensin II, zu unterdrücken.

Sartane

(z.B. Losartan, Valsartan, Irbesartan)

Die Sartane sind AT1-Rezeptor-Antagonisten und wirken ähnlich wie die ACE-Hemmer.

Es gibt noch viele andere Wirkstoffe die in der Hypertonietherapie eingesetzt werden können. Weiterhin wird, in Anbetracht des Schweregrades der Hypertonie und ob Begleiterkrankungen vorliegen, entschieden, welche Medikamente Anwendung finden und ob nur ein Wirkstoff in Form einer Monotherapie oder eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen (Kombinationstherapie) eingesetzt wird.

Es braucht in der Regel 2-6 Wochen bis das volle Wirkungsspektrum der Therapie greift. Wichtig ist, dass die ärztlichen Anweisungen, was Dosis und Häufigkeit der Einnahme betreffen, unbedingt eingehalten werden müssen. Der endgültige Erfolg der Therapie, also die angemessene Blutdrucksenkung, die Verhinderung lebensbedrohlicher Komplikationen und die Gesunderhaltung Ihres Herz-Kreislaufsystems, sind nur durch eine ordnungsgemäße Dauerbehandlung zu gewährleisten.

Lebensumstellung

Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel können den Blutdruck krankhaft erhöhen.  Durch die Umstellung auf eine gesunde Lebensweise kann die Effektivität Ihrer Blutdruckbehandlung wesentlich verbessern. Schon kleine Schritte können zu einer Blutdrucksenkung führen.

Gewichtsreduktion

Eine messbare Blutdrucksenkung ist eine Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm zu erreichen. Pro verlorenes Kilo kann das bis zu 1,5 – 2,5 mmHg betragen.

Ernährung

Eine gesunde obst- und gemüsereiche Ernährung wirkt sich zusätzlich positiv auf Ihr Körpergewicht aus. Die vielen Vitamine sind gut für Ihre Gesundheit und steigern Ihr Wohlbefinden. Weiterhin mäßigen Sie Ihren Fettkonsum, speziell den Verzehr von ungesättigten Fettsäuren über Fleisch- und Wurstwaren, da sie mögliche Folgeerkrankungen, die sich aus einer Hypertonie heraus entwickeln können, begünstigen. Stattdessen wirken die ungesättigten Fettsäuren zum Beispiel aus pflanzlichen Ölen dem Risiko einer Herzkreislauferkrankung entgegen.

Es wird auch diskutiert, ob eine Reduktion der Kochsalzzufuhr einen blutdrucksenkenden Effekt hat. Nur bei einem Teil der Bevölkerung konnte diese Wirkung festgestellt werden, was in der unterschiedlichen genetischen Veranlagung begründet liegen kann. Dennoch wird dem Bluthochdruckpatienten empfohlen seinen Salzkonsum auf circa 4-6 g / Tag zu senken, was in den meisten Fällen auch zu einer Blutdrucksenkung führt oder die Therapiemaßnahmen zusätzlich unterstützt.

Tipps bei der täglichen Ernährung:

- Salzen Sie Ihre Mahlzeiten am Tisch nicht nach.

- Essen Sie mehr frische Lebensmittel, da Konservennahrung oft versteckte Salzmengen enthält.

- Experimentieren Sie beim Kochen auch gern mal mit anderen Gewürzmitteln auf Pflanzenbasis wie Sellerie, Liebstöckl oder Knoblauch.

- Mit Hilfe von Nährwerttabellen können Sie Ihre Grundnahrungsmittel nach Ihrem Salzgehalt bewerten und stark salzhaltige Lebensmittel vermeiden.

Ihr Arzt kann mittels Bestimmung der Natriumausscheidung im Urin die Effektivität der Salzkonsumreduktion überprüfen.

Da Sie größtenteils über jodiertes Speisesalz Ihren täglichen Jodbedarf decken, könnte es infolge dessen notwendig werden, andere Jodquellen zu nutzen, zum Beispiel entsprechende Mineralstoffpräparate. Ihre Apotheke wird Sie zu diesem Thema gern beraten.

Alkohol

Bei einem rein alkoholbedingten Bluthochdruck kann der Verzicht bzw. die Reduktion des täglichen Alkoholkonsums den Blutdruck bis hin zu Normalwerten wieder senken. Es wird empfohlen nicht mehr als 20 – 30 g reinen Alkohol täglich zu sich zu nehmen. Das entspricht ungefähr 400 ml Bier oder 200 ml Wein.

Rauchen

Das Rauchen verbirgt viele gesundheitliche Gefahren. Bei den Bluthochdruckpatienten ist das Risiko stark erhöht schwere Herzkreislauferkranken, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall,  zu entwickeln. Ihre Lebenserwartung und Lebensqualität leidet unter dem Rauchen.

Körperliche Aktivität

Für Ihre Gesundheit ist Sport sehr wichtig. Besonders Ausdauersportarten wie Jogging, Radfahren, Schwimmen und ähnliche können bei der Blutdruckbehandlung unterstützend wirken. Beginnen Sie langsam und vermeiden Sie eine körperliche Überbelastung, die sich ungünstig auf Ihr Herz- und Gefäßsystem auswirken kann. Damit sind auch Sportarten ungeeignet, die Ihre Pulsfrequenz zu stark erhöhen, wie extremes Kraft- und Sprinttraining.

Was ist zu beachten:

- Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt bevor Sie das Training beginnen.

- Beginnen Sie langsam und Steigern Sie allmählich die Belastung.

- Prüfen Sie während des Trainings Ihren Puls, er sollte den Wert 180 minus Lebensalter nicht übersteigen.

- Treiben Sie regelmäßig Sport: 30 Minuten, dreimal pro Woche.

Eigene Blutdruckkontrolle

Mit relativ geringem Aufwand können Sie Ihren Blutdruck mehrmals am Tag selbst messen und darüber ein realistisches Bild über Ihren Blutdruck erhalten. Damit können neben den regelmäßigen Messungen bei Ihrem Arzt die medikamentöse Therapie und begleitende Maßnahmen der Lebensumstellung in ihrer Effektivität überprüft werden. Es gibt eine Vielzahl an Messgeräten, wobei Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen können.

Was ist zu beachten?

Der Blutdruck unterliegt natürlichen Schwankungen und damit die Ergebnisse nicht unnötig verfälscht werden, sollten einige Grundregeln bei der Messung beachtet werden:

- Vor der Messung sollte eine 5 minütige Ruhephase vorangegangen sein. Körperliche und psychische Belastungen beeinflussen die Messwerte, ebenso Alkohol- und Nikotinkonsum.

- Sorgen Sie für ein ruhiges Umfeld.

- Messen Sie im Sitzen.

- Die Manschette sollte sich stets auf Herzhöhe befinden. Lagern Sie am besten den Arm bequem auf einer Unterlage. Halten Sie ruhig während der Messung und vermeiden Sie zu reden.

- Wenn Sie bei Messungen an beiden Armen unterschiedliche Werte erhalten haben, dann nehmen Sie Ihre weiteren Messungen nur noch an dem Arm vor, der die höheren Werte ergeben hat.

Zu Beginn der medikamentösen Therapie sollte der Blutdruck zweimal am Tag, immer zur gleichen Tageszeit und vor den Mahlzeiten und der Einnahme der Medikamente erfolgen: morgens zwischen 6 und 9 Uhr, abends zwischen 18 und 21 Uhr. Wenn Sie im Laufe der Zeit gut auf Ihre Medikamente eingestellt sind, genügt eine morgendliche und abendliche Messung einmal in der Woche.

Lassen Sie mindestens einmal im Jahr Ihr Blutdruckmessgerät bei Ihrem Arzt prüfen. Durch Vergleichsmessungen mit einem geeichten Gerät kann die Funktion und Genauigkeit Ihres Gerätes getestet werden.