Mittwoch, 1. Oktober 2014

Diabetes mellitus: Bewegung, Ernährung und Körperpflege

Juli 23, 2011 by  
Filed under Diabetes mellitus, Krankheiten

Warum ist Bewegung so wichtig?

Durch eine erhöhte Muskelaktivität wird mehr Zucker für die Energiegewinnung benötigt und abgebaut. Die geforderten Muskelzellen reagieren zudem auch sensibler auf das Insulin was einer Insulinresistenz entgegen wirkt. Diese Mechanismen können die Blutzuckerwerte verbessern und den Typ2-Diabetes zurückdrängen.

Besonders Ausdauersportarten wie Radfahren, Wandern oder Schwimmen sind zu empfehlen. Aber auch Sportarten, bei denen Muskelmasse aufgebaut wird, sind gut. Denn je mehr Muskeln da sind, desto mehr wird der Zucker verbraucht.

Jedoch muss der insulinpflichtige Diabetiker darauf achten, dass seine Blutzuckerwerte durch den Sport nicht zu stark absinken. Entsprechend der sportlichen Aktivität muss die Zufuhr an Insulin abgestimmt werden. Zur Not sollten Diabetiker immer ein Traubenzuckerplättchen oder Traubenzuckerzubereitungen aus der Apotheke parat haben.

Gibt es eine spezielle Diät?

Leider nicht. Für die Ernährung gelten die gleichen Empfehlungen wie für den Nicht-Diabetiker: gesund, abwechslungsreich und vollwertig.


Der 10-Punkte-Katalog der Deutschen Gesellschaft für Ernährung:

1.      Vielseitig essen

2.      Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln

3.      5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag

4.      Täglich Milch und Milchprodukte

5.      Wenig Fett

6.      Zucker und Salz in Maßen

7.      Mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit täglich, wenig Alkohol

8.      Schonende Zubereitung der Nahrung

9.      Beim Essen Zeit nehmen

10.  Auf das Gewicht achten, viel Bewegung

Für den insulinpflichtigen Diabetiker ist die Berechnung der Broteinheiten, kurz BE, wichtig, da er daraus die zu spritzende Insulinmenge  bestimmen kann. Zwölf Gramm an Kohlenhydraten entsprechen einer BE. Die dazugehörige Insulineinheit ist wiederum Tageszeitabhängig. Lassen Sie sich Ihre individuelle Berechnung von Ihrem Arzt oder Apotheker erklären oder Suchen Sie Hilfe bei einer Diabetesberaterin.

> Was ist der Unterschied zwischen Zucker, Traubenzucker und Glucose?

Zucker ist der Oberbegriff für diese Gruppe der Naturstoffe, die zu den Kohlenhydraten gehören. Alle Zuckerformen schmecken süß und werden im Körper immer gleich verarbeitet.

Traubenzucker: Auch als Glucose bezeichnet. Er ist der einfachste Zucker, die kleinste Baueinheit aller Kohlenhydrate bzw. Zucker und in nur in dieser Form ist Zucker verwertbar. Somit werden alle anderen Zuckerarten vorerst zu Glucose abgebaut.

Haushaltszucker: Dies ist Kristallzucker oder auch Saccharose. Er besteht aus zwei Glucosebausteinen.

Fruchtzucker: Fruktose. Ist ebenfalls ein einfaches Zuckermolekül, wird aber dennoch in Glucose umgewandelt.

Stärke: Dieses Kohlenhydrat ist aus einer Kette von Glucosebausteinen zusammengesetzt.

> Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Bei einer gesunden vollwertigen und abwechslungsreichen Ernährung brauchen Diabetiker, wie auch Nicht-Diabetiker keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel. Ist eine ausgewogenen Ernährung wegen bestimmten Lebensumständen kaum möglich oder man befindet sich in einer besonderen Lebenssituation wie Schwangerschaft, dann kann eine zusätzliche Vitamin- und Mineralzufuhr sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Apotheke beraten.

> Hilft Zimt?

Zimt wurde in den letzten Jahren immer stärker beworben, jedoch gibt es bislang noch keine zuverlässigen Daten darüber. Eine medizinische Wirkung als Nahrungsergänzungsmittel konnte bei den Studien erst ab einem Gramm pro Tag festgestellt werden.

Wichtig ist daran zu denken, dass die Nahrungsergänzungsmittel auf keinen Fall die vom Arzt verordneten Medikamente ersetzen können.

Wie können die Folgeschäden vermieden werden?

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zu Veränderungen von Zellstrukturen wie an den Gefäßinnenwänden oder Nervenzellen. Durchblutungsstörungen und Nervenschäden sind Folge dessen und führen zu:

-          Augenschäden mit der Gefahr der Erblindung

-          Hautinfektionen verbunden mit Wundheilungsstörungen

-          Sensibilitätsstörungen, wie Ameisenlaufen in Armen und Beinen

-          „Diabetischer Fuß“ ( bis hin zur Amputation)

-          Nierenschädigung

-          „Schaufensterkrankheit“: Infolge der Durchblutungsstörungen in den Blutgefäßen der Beine entstehen Schmerzen beim Gehen. Erst beim Stehenbleiben zum Beispiel vor einem Schaufenster hören diese auf. Problematisch wird es, wenn zudem eine Nervenschädigung besteht und die Schmerzen nicht bemerkt werden. Dann drohen Amputationen

-          Arteriosklerose (Gefäßverkalkung): Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt

> Augenuntersuchung

Die kleinen Blutgefäße der Netzhaut im Auge reagieren besonders empfindlich auf die zunehmende Verschlechterung der Durchblutung. Es kann zum Platzen der Gefäße bis hin zur Erblindung kommen. Eine regelmäßige Augenuntersuchung ist dem Diabetiker zu empfehlen. Der Arzt kann therapeutisch eingreifen: mittels Laser ist es möglich brüchige Gefäße wieder zusammenzuschweißen. Auch Wasseransammlungen an bestimmten Netzhautregionen führen zu zunehmenden Sehstörungen.

> Fußpflege

Die Füße der Patienten sind besonders gefährdet. Auch hier sind die Durchblutungsstörungen und Schädigung der langen Nerven verantwortlich für die folgende Problematik. Verletzungen an den Füßen schmerzen kaum, Druckstellen, die beim Tragen zu enger Schuhe entstehen, werden nicht bemerkt. Barfußlaufen birgt ebenfalls viele Verletzungsgefahren und aufgrund der Durchblutungsstörungen heilen Sie sehr schlecht. Diabetiker sollten täglich Ihre Füße sorgfältig untersuchen und pflegen. In Ihrer Apotheke erhalten Sie entsprechende Hautpflegeprodukte. Wer seine Füße selbst nicht mehr pflegen kann, sollte sich Hilfe bei einer medizinischen Fußpflegerin suchen.

> Hautpflege

Auch die Haut bedarf besonderer Pflege. Bei einer schlechten Blutzuckereinstellung ist oft auch die Immunabwehr geschwächt, sodass häufiger Infektionen auftreten können und die Wunden schlecht heilen. Der Diabetiker muss daher sehr sorgfältig bei seiner Hautpflege sein. Die Hautreinigung sollte nicht mit Seife, sondern mit einem seifenähnlichen Syndet erfolgen, sodass der natürliche Säureschutzmantel der Haut nicht geschädigt wird. Austrocknende Vollbäder über 10 Minuten sollten vermieden werden. Danach Haut sanft trocken tupfen, nicht reiben oder rubbeln und eincremen. Bei Verletzungen, Rissen oder Rötungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.