Dienstag, 16. September 2014

Zahnfleischentzündung

Januar 4, 2010 by  
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Viele glauben, es sei völlig in Ordnung, wenn das Zahnfleisch beim Zähneputzen blutet, doch das ist ein großer Fehlschluss: Zahnfleischbluten tritt nämlich oft aufgrund einer Gingivitis (Zahnfleischentzündung) auf. Wird das Zahnfleischbluten ignoriert, kann sich daraus schnell eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) entwickeln. Diese durch Bakterien verursachte Krankheit ist der häufigste Grund für Zahnverlust bei Erwachsenen. Zudem kann sich eine Parodontitis negativ auf den gesamten Organismus auswirken und beispielsweise das Risiko für Schlaganfälle vervierfachen.

Symptome: Symptome für eine Gingivitis sind ein gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten. Oft reicht hierfür eine leichte Berührung aus, so dass die Blutung unter anderem beim Zähneputzen auftritt. Bei vielen Patienten trennt eine dunkelrote Färbung die kranke Stelle vom gesunden Zahnfleisch. Es kann außerdem vorkommen, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht, dadurch die Zahnhälse freigelegt werden und sich sogenannte Zahnfleischtaschen bilden. Die Zähne sind dann besonders empfindlich auf Kälte und Wärme.

Manch einer beobachtet einen ziehenden Schmerz rund um den erkrankten Zahn und/ oder einen schlechten Geschmack im Mund und Mundgeruch. Wird die Entzündung nicht behandelt, kann diese sich auf Zahnbett und Kieferknochen ausbreiten und eine Parodontitis bzw. Parodontose entsteht. Die Folgen können Zahnlockerungen und Zahnverlust sein.

Ursachen: Zahnfleischprobleme sind häufig auf Bakterien zurückzuführen, diese sammeln sich im Zahnbelag (Plaque) an und lösen die Entzündungsprozesse aus. Doch nicht nur mangelnde Mundhygiene verursachen die bakteriellen Infektionen, auch hormonelle Veränderungen in der Pubertät oder Schwangerschaft kommen als Ursache in Frage. Es ist außerdem erwiesen, dass Rauchen Zahnfleischentzündungen begünstigt. Viele gehen davon aus, dass selbst die Einnahme spezieller Medikamente wie Hormonpräparate und die Antibabypille sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus solche bakteriellen Infektionen auslösen können. Wer beim Zähneputzen eine zu harte Zahnbürste verwendet und/ oder einen zu festen Druck ausübt, kann damit ebenfalls eine Gingivitis hervorrufen.

Die Apotheke hilft: Die Apotheke bietet verschiedene Präparate, die Betroffene rezeptfrei bekommen. Mundspüllösungen, die den Wirkstoff Chlorhexidin enthalten, hemmen die Bakterienvermehrung. Der antibakterielle Wirkstoff beseitigt die entzündungsverursachenden Bakterien und schützt die Zähne vor übermäßiger Plaqueneubildung. Präventiv eignen sich Mundspüllösungen mit den Wirkstoffen Aminfluorid und Zinnfluorid. Einige Zahncremes mit bestimmten Inhaltsstoffen wie Mineralsalze oder Pflanzenextrakte aus Heilkräutern können ebenfalls Entzündungen vorbeugen sowie das Zahnfleisch besänftigen und glätten. Apotheken verfügen über zahlreiche „Hilfsmittel“, um die Zähne sorgfältig und schonend von Zahnbelag zu befreien. Neigen Sie zu Zahnentzündungen, berät Sie der Apotheker, welche Zahnbürste, welche Zahncreme und welche Produkte Sie verwenden können, um Entzündungen zu verhindern und zu bekämpfen. Kleine Bürsten für die Reinigung der Zahnzwischenräume und Zahnhölzer sind ebenfalls sinnvoll.

Einige Mundspüllösungen sind auch für Kinder zur Vorbeugung und Behandlung von Zahnfleischproblemen geeignet. Eine zusätzliche Reinigung und Pflege mit speziellen Produkten kann insbesondere bei Kindern mit Zahnspangen sinnvoll sein. Aber Vorsicht: Mundspülungen und ähnliche Mundhygienemittel dürfen erst eingesetzt werden, wenn das „Kind“ das Spülen zuverlässig beherrscht und die speziellen Flüssigkeiten nicht schluckt.

Was Sie noch tun können:

  • Täglich: systematische und gründliche Mundhygiene

  • Ein- bis zweimal im Jahr: professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt

  • Zahnpflegekaugummis und Nahrungsmittel, die länger gekaut werden müssen, regen den Speichelfluss und dadurch den natürlichen Reinigungsmechanismus im Mund an

Zahnarztbesuch sollte erfolgen bei: Beobachten Sie häufiges Zahnfleischbluten und Rötungen des Zahnfleisches, sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen. Unumgänglich ist der Gang zum Arzt, wenn das Zahnfleisch bereits anschwillt und sich rot-bläulich verfärbt.

Der Zahnarzt wird die Zahnbeläge und den Zahnstein mechanisch entfernen. Dann werden die Zahnwurzeln unter den Zahnfleischtaschen bzw. unter dem Zahnfleisch, meist unter einer örtlichen Betäubung, gespannt. Bakterien haben auf diese Weise weniger Platz sich zu verbreiten. Ab einer zahnfleischtiefe von 3,5 Millimetern wird diese Behandlung von gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Moderne Reiningungsmöglichkeiten mit Ultraschall oder Laser werden von den gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht übernommen. Komplizierter wird eine Behandlung ab 6 Millimeter Tiefe. Deshalb sollte die professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt etwa alle 6 Monate wiederholt werden.

Übrigens: Bakterielle Zahnfleischentzündungen wirken sich negativ auf den gesamten Körper aus. Studien zeigen, dass Infektionen im Mundraum Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus begünstigen. Die Wissenschaft hat aber auch erwiesen, dass eine regelmäßige Parodontitis-Behandlung das Risiko für das Herz wieder senkt. Derzeit sind sich Mediziner noch nicht einig, ob such auf diese Weise Blutzuckerwerte bei Diabetikern bessern lassen.