Freitag, 19. Dezember 2014

Pflanzliche Medikamente für Kinder

April 14, 2010 by  
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© Sven Hoppe - Fotolia.comUnter Phytopharmaka versteht man Arzneimittel, die ausschließlich aus pflanzlichen Wirkstoffen hergestellt werden. Für Kinder sind pflanzliche Medikamente oftmals sehr gut geeignet, da sie nicht nur eine hohe Wirksamkeit, sondern auch eine gute Verträglichkeit aufweisen. Sogar Krankenkassen unterstützen die Medikation mit pflanzlichen Arzneimitteln, sie übernehmen die Kosten bis zum 18. Lebensjahr.

Dennoch stehen viele Eltern vor dem Problem, dass bestimmte Medikamente unzureichend getestet wurden und die Wirksamkeit sowie Risiken für Kinder nicht bekannt sind. Ein Produkt, dass sich bei Erwachsenen bewährt hat, muss nicht zwangsweise auch Kindern helfen. Daher scheint die Kritik berechtigt, dass viel mehr Mediakemente geprüft werden sollten, ob sie für Kinder unbedenklich sind. Leider lassen zahlreiche Hersteller solche Studien nicht zu, da diese in der Regel sehr teuer sind und sich daher kaum für den Arzneimittelproduzenten lohnen. Liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor, empfiehlt es sich, diese erst ab dem 12. oder gar 18. Lebensjahr anzuwenden.

Hersteller von Arzneimittel sind verpflichtet, mögliche Nebenwirkungen im Beipackzettel anzugeben. Daher ist die Liste der Begleitsymptome manchmal recht lang. Zudem sind viele Präparate mit dem Hinweis versehen, dass sie nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet sind. Dies setzt keinesfalls voraus, dass das Produkt bei Kleinkindern nicht wirkt oder gar gefährlich ist, sondern nur, dass es keine ausreichenden Studien hierfür gibt. Dadurch stehen viele Kinderärzte allerdings vor dem Problem, dass sie sich an zahlreichen Produkten nicht bedienen wollen und die Behandlungsmöglichkeiten stark eingegrenzt sind. Derzeit trifft diese Einschränkung Kinder unter 12 Jahren. Es wird jedoch sogar darüber debattiert, ob die Altersgrenze nicht auf 18 Jahre erhöht wird, so dass allen Minderjährigen nur sehr wenige Medikamente zur Verfügung stehen. Dies kann unter Umständen Sinn machen, denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Die Dosierung lässt sich demnach nicht von der Dosierung für Erwachsene ableiten, da der Stoffwechsel von Frühgeborenen, Schulkindern und Jugendlichen viel träger ist und der Abbau der Wirkstoffe länger dauert. Der Stoffwechsel von Säuglingen und Kleinkindern hingegen funktioniert viel schneller, daher bräuchten die kleinen Patienten eine höhere Dosis pro Kilogramm als Erwachsene. Kinderärzte dürfen zwar prinzipiell jedes pflanzliche Arzneimittel verschreiben, kommt es allerdings ungeahnt zu Komplikationen, haften diese für solch verheerenden Folgen. Daher ist der Umgang mit Phytopharmaka bei Kindern immer mit Vorsicht zu genießen, obwohl gerade bei jungen Patienten oftmals eine hohe Wirksamkeit mit pflanzlichen Produkten (insbesondere bei Erkältungen, Magen-Darm-Infekten, Hauterkrankungen sowie psychosomatischen Störungen) erreicht wird. Im Gegensatz zu synthetischen Arzneimitteln haben Phytpharmaka eine regulierende Wirkung, welche die Selbstheilungskräfte ankurbelt.

Wissenschaftlichen Studien zufolge eignen sich für Kinder ab vier Jahren Phytopharmaka mit Pfefferminze, Kamille, Thymian und Fenchel. Die Medikation mit Hamamelis und Senfsamen ist dagegen ab dem sechsten Lebensjahr bedenkenlos möglich. Doch auch rein Pflanzliche Medikamente können sich negativ auf den Organismus auswirken. Bei Kindern sollte beispielsweise von der Mediaktion mit den stark abführend wirkenden Sennesblättern abgesehen werden. Zudem können bei Kleinkindern und Säuglingen akute Atemnöte auftreten, sofern sie mit ätherischen Ölen wie Menthol und Kampfer in Kontrakt kommen. Bei Unsicherheiten sollten Sie daher stets Ihren Apotheker fragen, welche Produkte für Kinder geeignet sind. Der Apotheker beratet Sie gerne und bietet Ihnen für Kinder geeignete, milde Produkte zum Inhalieren, Baden und Einreiben.

Patienten sollten außerdem darauf achten, dass selbst Phytopharmaka Nebenwirkungen haben sowie Wechselwirkungen mit andere Medikamenten möglich sind.

Generell wirken Tropfen, Säfte und Zäpfchen recht gut bei Kindern. Allerdings sind flüssige Arzneimittel häufig mit Alkohol angereichert, was vielen Eltern und Medizinern missfällt. Die Alkoholmenge in kindgerechten Medikamenten scheint jedoch unter der Risikogrenze zu liegen, wenn man beachtet, dass bei normalen Verdauungsprozessen im Körper Alkohol gebildet wird.