Montag, 15. September 2014

Spannungskopfschmerz

Dezember 18, 2009 by  
Filed under Beratung, Schmerzen

apotheke kopfschmerzenBeinahe jeder Erwachsene hat den Spannungskopfschmerz schon einmal erlebt, denn dieser ist die am häufigsten auftretende Kopfschmerzform. Knapp 70 Prozent der Deutschen klagen zuweilen über den „episodischen“ Kopfschmerz, zwei bis drei Prozent leiden sogar unter dem chronischen Spannungskopfschmerz. Der chronische Spannungskopfschmerz macht sich bei Betroffenen an mindestens 15 Tagen im Monat bemerkbar.

Symptome: Der Kopfschmerz fühlt sich dumpf, drückend und ziehend an, der Schmerz ist im gesamten Kopfbereich spürbar. Vor allem aber im Stirn- und Augenbereich breitet sich das unangenehme Gefühl aus. Viele Patienten beschreiben den Schmerz als engen Ring um den Kopf. Im Normalfall sind die Betroffenen nicht in ihren Aktivitäten eingeschränkt – Treppensteigen und andere körperliche Betätigungen verstärken den Kopfschmerz nicht. Allerdings können begleitende Symptome wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit auftreten. Starke Übelkeit oder Erbrechen sind wiederum keine Begleiterscheinungen der Spannungskopfschmerzen. Die Dauer des Kopfschmerzes variiert zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen. Betroffene sollten jedoch mit dem Beginn einer Behandlung nicht zu lange warten, damit der Spannungskopfschmerz nicht chronisch wird.

Ursachen: Die genauen Ursachen sind bisher noch nicht bekannt. Einige Mediziner vermuten als Auslöser muskuläre Verspannungen im Kopf- und Halsbereich sowie eine generell niedrigere Schmerzschwelle. Auch psychische Probleme, vor allem Ängstlichkeit, Stress und eine depressive Grundstimmung, kommen als Ursachen in Frage.

Die Apotheke hilft: In den neuen Leitlinien 2009 befürwortet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS 100 mg), Ibuprofen (400 mg) und Diclofenac (12,5/25mg) zur Selbstmedikation. Auch eine Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein oder nur aus Paracetamol und Coffein kann helfen. Je nachdem welcher Wirkstoff bevorzugt wird, werden verschiedene Medikamentformen angeboten. Der Patient hat oft die Wahl zwischen Tabletten, Brausetabletten, Säfte, Schmerztabletten, Kautabletten, Granulate oder Zäpfchen. Die Medikamente können alle vier bis sechs Stunden eingenommen werden, vorzugsweise vor den Mahlzeiten. Schwangeren und Müttern in der Stillzeit wird empfohlen Paracetamol zu nehmen. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann sich wahlweise für Phenazon oder Propyphenazon entscheiden, zudem sollte das Arzneimittel dann nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden.

Was Sie noch tun können: Entspannungsübungen und -techniken können helfen. Einige Vorschläge sind: Biofeedback (ein Verfahren, bei dem die eigenen Körpervorgänge gemessen werden und Stress dadurch früh erkannt und somit vermieden werden kann), Muskelentspannung nach Jacobson (bewusste An- und Entspannung der Muskeln), Stressbewältigungstraining und Pfefferminzöl auf die Stirn, den Nacken und auf die Schläfen träufeln. Insbesondere Menschen, die viel am Computer arbeiten, sollten regelmäßig kleine Pausen einlegen. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Sport können vorbeugend eingesetzt werden. Besonders wirksam sind Ausdauersportarten wie Joggen und Radfahren. Viele Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz schwören auf die Akupunktur. Die Akupunktur-Therapie wurde in vielen Studien bereits genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Studien wurden im Jahr 2009 in einer Metaanalyse zusammengefasst. Zahlreiche Forscher sind sich einig, dass die Akupunktur bei chronischem Spannungskopfschmerz durchaus effektiv ist. Die Kombination aus Akupunktur und medikamentöser Behandlung hat vielen Patienten besser geholfen als die Medikation ohne begleitende Akupunkturbehandlungen.

Arztbesuch sollte erfolgen bei: Der episodische Spannungskopfschmerz kann eigenständig behandelt werden. Allerdings sollte ein Haus- bzw. Allgemeinarzt aufgesucht werden, wenn die Schmerzintensität ungewohnt stark ansteigt, sich die Kopfschmerzen oft wiederholen und mehrere Tage anhalten sowie Begleitbeschwerden wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Seh-, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen auftreten. Der Arzt wird sich bestimmt umfassend nach den Beschwerden und dem Gebrauch von Kopfschmerztabletten erkunden. Er sollte die Betroffenen außerdem genau über die Einnahme der verschriebenen Medikamente informieren. Anschließend wird eine gründliche körperliche Untersuchung statt finden. In den meisten Fällen sind keine weiteren, spezielleren Tests nötig. Um herauszufinden, welche Ursache die Kopfschmerzen haben, sollte der Patient ein sogenanntes Kopfschmerztagebuch führen. Dieses gibt nach sorgfältiger Führung relativ schnell an, in welchen Situationen die Kopfschmerzen am häufigsten auftreten.

Übrigens: Wer zu zu oft nach Schmerztabletten greift, kann die Kopfschmerzen verschlimmern. Dieser Prozess wird in der Medizin als medikamenteninduzierter Kopfschmerz bezeichnet. Das Schmerzmedikament zeigt dann bei Einnahme keine Wirkung mehr. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Menge an Schmerztabletten Sie ohne Risiko einnehmen dürfen.