Donnerstag, 28. August 2014

Neuer Wirkstoff gegen Multiple Sklerose

März 11, 2010 by  
Filed under Pharmazie

© Franz Pfluegl - Fotolia.comGute Aussichten für Patienten: ein neuer Wirkstoff zum Schlucken soll künftig die durch die Multiple Sklerose bedingten Krankheitsschübe reduzieren.

Bisher mussten sich Patienten, die unter Multipler Sklerose (MS) leiden, unangenehme Spritzen über sich ergehen lassen. Alternative Heilmethoden waren bislang nicht bekannt, um die auftretenden Krankheitsschübe effektiv zu hemmen. Die orale Medikation war nicht möglich, da der Darm die zugeführten Arzneimittel sofort verdauen würde. Dennoch zeigt die Medizin Fortschritte: nun soll eine Pille namens Laquinimod auf den Markt kommen, welche die lästigen Spritzen ersetzen soll. Derzeit wird sie in einer zweijährigen Testphase auf ihre Wirksamkeit erprobt. Zahlreiche Kliniken in den Vereinigten Staaten, Europa und Israel beteiligen sich an der innovativen Forschung, darunter auch das Jüdische Krankenhaus Berlin.

Bei der Multiplen Sklerose bekämpft die eigene Körperabwehr das Nervensystem. Diese Attacken rufen in Gehirn und Rückenmark Entzündungen hervor und hinterlassen Narben. Dadurch verändert sich die Struktur des Gewebes (deshalb der Name Sklerose), es erhärtet sich und behindert die Leitfunktion der Nerven. Infolge dessen werden Lähmungen, Gangsicherheiten sowie Sehstörungen und ein Taubheitsgefühl hervorgerufen.

Bislang gibt es keine Medikamente, welche die Krankheit heilen können. Die Basisbehandlung zielt statt dessen darauf ab, einen Schutz vor den schubweisen Attacken des Immunsystems zu bilden. Dadurch kann der Krankheitsverlauf deutlich eingeschränkt werden, zudem nimmt die Intensität der jeweiligen Schübe ab.

Mediziner erhoffen sich durch den neuen Wirkstoff Laquinimod eine innovative Therapiemaßnahme. Bisherige Studien konnten die Wirksamkeit zumindest nachweisen: im Vergleich wurde Testpersonen entweder der Wirkstoff Laquinimod oder ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht: MS-Patienten, welche die neue Pille erhielten, zeigten 40 Prozent weniger entzündliche Läsionen als die Patienten, die lediglich den Placebo erhielten. Wissenschaftler der Universität Bochum, welche das neue Mittel ebenfalls testen, haben keine Zweifel, dass es die selbstangreifenden Abwehrzellen aufhalten kann, so dass diese ihre Angriffsziele in Gehirn und Rückenmark nicht erreichen. Zudem wird durch das Medikament vermutlich nicht die Stabilität des Immunsystems beeinträchtigen. Diesen Nachteil brachte nämlich das bekannte, hoch wirksame Medikament Natalizumab mit sich. Vier von 30.000 MS-Patienten die mit Natalizumab behandelt wurden bekamen aufgrund eines hartnäckigen Virus eine schwere Gehirnerkrankung, die sogenannte progressive multifokale Leukenzephalopathie. Glatirameracetat oder Interferon beta helfen Patienten seit vielen Jahren, die MS bedingten Schübe zu reduzieren oder abzuschwächen, doch müssen diese Wirkstoffe mehrmals pro Woche gespritzt werden. Viele Betroffene leiden unter dieser Behandlungsmaßnahme, zudem kann es hierbei schnell zu Rötungen, Schwellungen und Infektionen an der Einstichstelle kommen.

Der Fortschritt in der Wissenschaft ist jedoch ein kleiner Lichtblick für MS-Patienten. Derzeit werden einige verschiedene Wirkstoffe gegen Multiple Sklerose getestet (z.B. Fingolimod, Teriflunomid und Fumarsäure), die künftig in Tablettenform erhältlich sein sollen. Bislang sieht es aber ganz danach aus, als würde Laquinimod als erstes Medikament in Deutschland seine Zulassung bekommen. Die aktuellen Studien zeigen durchweg positive Ergebnisse. Bewährt sich Laquinimod in der derzeitigen Testphase, können Patienten aller Wahrscheinlichkeit nach in zwei bis drei Jahren von der neuen Pille profitieren.