Donnerstag, 24. April 2014

Veränderungen der Zunge

März 17, 2010 by  
Filed under Mundgesundheit

Werden Zungenveränderungen entdeckt, erschrecken sich viele Betroffene und begeben sich in die Hände ihres Arztes. In einigen Fällen können die Ursachen nicht eindeutig geklärt werden. Manchmal hat der Mediziner aber auch eine ganz genaue Vorstellung.

Viele Menschen wissen gar nicht, welche vielseitigen Funktionen die Zunge hat. Sie nimmt den Geschmack sowie die Beschaffenheit von Speisen wahr, unterstützt das Kauen und Schlucken und spielt des weiteren eine ganz bedeutende Rolle in der Lautbildung. Der Zunge ist es außerdem zu verdanken, dass das Sprechen und gleichzeitige Essen möglich ist, selbst wenn dies von den meisten Menschen als unhöflich empfunden wird.

Aus was besteht die Zunge? Die Zunge ist ein Muskelkörper, der mit einer Schleimhaut überzogen ist. Auf ihr befinden sich bis zu 1.000 Geschmacksknospen pro Quadratzentimeter. Dies ist aber nur bei Feinschmeckern der Fall, „Nichtschmecker“ dagegen haben oft nur etwa elf Geschmacksknospen pro Quadratzentimeter. Sind nur wenige Knospen auf der Zunge vorhanden, können Betroffene schlecht zwischen den Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig unterscheiden. Der Rückgang der Geschmacksknospen mit dem zunehmenden Alter ist völlig normal, dies könnte außerdem ein Grund dafür sein, warum Erwachsene viele Lebensmittel essen, die Kinder verabscheuen.

Notwendigkeit der Zungenreinigung: Erst seit wenigen Jahren weisen westliche Mediziner auf die Notwendigkeit hin, die Zunge gezielt zu pflegen. Indische Ärzte dagegen wissen es schon längst. Ayurveda, eine traditionelle, indische medizinische Anwendung, beinhaltet unter anderem die tägliche Reinigung mit dem Zungenschaber. Die gründliche Pflege ist vor allem deshalb so wichtig, da sich Bakterien auf der rauen und oft zerklüfteten Zungenoberfläche sammeln und rasch vermehren. Rund die Hälfte aller im Mund befindlichen Bakterien siedeln sich auf der Zunge an, da diese einen idealen Nährboden bietet. Einige dieser Keime verursachen zudem Mundgeruch.

Die Zunge gibt Aufschluss über viele Erkrankungen: Bei vielen Untersuchungen beim Arzt fordert dieser die Patienten dazu auf, die Zunge heraus zu strecken und „aah“ zu sagen, denn diese gibt oft Aufschluss über verschiedene Erkrankungen. Ist die Beschaffenheit der Zunge graurosa, feucht und weist eine ebenmäßig raue Oberfläche auf, ist alles in Ordnung. Beläge kommen in verschiedenen Farben und Formen vor, ohne dass zwangsweise eine Erkrankung vorliegt. Bemerken Betroffene jedoch einen dicken, weißlichen Belag mit einer entzündlich geröteten Zunge, kann dies ein Hinweis auf eine Pilzinfektion sein. Vor allem, wenn die Zungenveränderung mit einer Reizbarkeit und Schluckbeschwerden einher geht. Die Mundflora besteht unter anderem aus Hefepilzen, die sich allerdings normalerweise aufgrund der Abwehrzellen und Bakterien nicht vermehren. Bei einer Störung der Balance können sich Pilze jedoch ausbreiten und die Schleimhaut befallen. Hierbei spricht der Arzt vom sogenannten Mundsoor (Mundpilz, Soormykose). Die Hefepilzinfektion der Mundschleimhaut und Zunge tritt vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (z. Bsp. Kleinkinder, alte Menschen oder AIDS-Patienten) und bei Antibiotika- oder Kortisongabe auf. Anfänglich lässt sich der weißliche Soorbelag noch abwischen, später haftet er an einigen Stellen. Versuchen Patienten ihn dennoch zu beseitigen, blutet die betroffene Stelle. Bei rechtzeitiger Behandlung des Soors mit Lutschtabletten oder Spülungen, ist er harmlos und heilt schnell ab. Wird die Pilzerkrankung aber ignoriert, droht eine Ausbreitung auf die Speiseröhre mit heftigen Schluckbeschwerden (Soor-Ösophagitis). Nach einiger Zeit kann es sogar zur Zerstörung der Mundflora kommen, dabei können sich Bakterien (die unter Umständen Karies oder Parodontitis verursachen) ungehindert vermehren.

Schwarze oder haarige Zunge: Die normalerweise sehr kleinen Papillen auf der Zungenoberfläche wuchern und verhornen bei der schwarzen Haarzunge. Typisch ist die Ausbreitung im mittleren bis hinteren Zungenbereich. Betroffene haben oft das Gefühl, ihnen würden Haare auf der Zunge wachsen. Ursachen hierfür sind Rauchen, mangelnde Mundhygiene, bestimmte Medikamente, Vitaminmangel oder eine unterdrückte Immunabwehr. Die Haarzunge muss nicht behandelt werden, die Heilung kann allerdings einige Zeit dauern.

Weitere Zungenveränderungen: Eine leuchtend rote Zunge ist ein wichtiger Hinweis auf die Krankheit Scharlach. Besteht ein Vitamin-B-Mangel, ist die Zunge dagegen häufig glatt und glänzend. Ein weißlicher Belag, der nicht entfernt werden kann, könnte auf eine Leukoplakie (Krebsvorstufe) hindeuten. In jedem Fall sollte bei Unklarheiten der Arzt aufgesucht werden, dieser könnte eventuelle Erkrankungen diagnostizieren und diese gezielt therapieren.