Dienstag, 2. September 2014

Nabelschnurblut

Januar 13, 2010 by  
Filed under Vorsorge

Eine Therapie mit Blutstammzellen lohnt sich schon seit vielen Jahren insbesondere für Patienten, die an Krebs erkrankt sind. Blutstammzellen fördern zum Beispiel nach einer Transplantation den Aufbau eines intakten Immunsystems. Seit mehreren Jahren wird außerdem geforscht, ob mit Stammzellen auch Therapieerfolge bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes Typ 1 oder frühkindlichen Hirnschäden erzielt werden können. Die Zellen werden aus dem Knochenmark des Beckenkamms oder aus dem Blutkreislauf entnommen. Mit dem Beckenkamm ist der obere äußere Rand des Beckens gemeint. Um Knochenmark zu gewinnen, wird eine Hohlnabel durch den Knochen des Beckenkamms in das Innere des Knochens eingeführt.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es eine zusätzliche, dritte Quelle: selbst das Nabelschnurblut ist ein wichtiger Lieferant für Stammzellen. Mittlerweile ist die tiefgefrorene Aufbewahrung solcher Stammzellen aus dem Nabelblut in großen Blutbanken gängig. Somit können die Zellen dem Spender selbst oder anderen Patienten Im Falle einer Erkrankung für die Behandlung zur Verfügung gestellt werden. Seit der ersten erfolgreichen Transplantation durch eine französische Ärztin in Paris bei einem 5jährigen Jungen ist der Bedarf an Stammzellen aus dem Nabelschnurblut kontinuierlich gewachsen. Inzwischen wurden auf der ganzen Welt über 100.000 Patienten mit solchen Stammzellen therapiert.

Warum ist das Nabelschnurblut so kostbar: Im Nabelschnurblut befinden sich Stammzellen, die noch in einem frühen Entstehungszustand sind und sich leicht vermehren. Bei der Verwendung stehen die Chancen höher, dass der Körper eines nicht verwandten Empfängers diese Nabelschnurblutzellen nicht abstößt. Das Risiko der Abstoßreaktion liegt bei anderen Stammzellen wie etwa aus dem Knochenmark höher. Des weiteren sinkt die Gefahr, an einer Infektion (beispielsweise durch Viren) zu erkranken. Das Blut ist unter anderem deshalb so wertvoll, da es risikofrei bei der Abnabelung des Neugeborenen von der Mutter gewonnen werden kann. Tiefgefroren lassen sich diese Stammzellen mehrere Jahre lang aufbewahren. Die Qualität lässt dabei nicht nach.

Ablauf der Nabelschnurblutentnahme: Einige Geburtskliniken arbeiten mit Blutbanken zusammen. Hier können sich Schwangere für eine Entnahme des Nabelschnurbluts entscheiden. Über die Methode können sich Frauen während der Geburtsvorbereitung oder bei verschiedenen Blutbanken informieren. Es ist notwendig, dass die Eltern die Entnahme schriftlich bestätigen. Nach der Geburt und der schmerzfreien Abnabelung wird das Blut aus der Nabelschnur gewonnen und in speziellen Behältern aufbewahrt. Fachlich kompetentes Personal, der Klinikarzt oder die Hebamme, führt die Blutabnahme durch. Durchschnittlich können 80 ml pro Beutel gesammelt werden, es sollten jedoch mindestens 55 bis 50 ml sein. Dieser Vorgang dauert nur ein paar Minuten. Anschließend wird das kostbare Blut zur Blutbank gebracht und dort bei minus 190 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagert. Das Blut wird außerdem auf Qualität und Krankheitserreger getestet. Können viele Stammzellen aus dem Nabelschnurblut entnommen werden, ist es möglich, auch erwachsene Patienten damit zu behandeln. Teilweise wird deshalb für Erwachsene der Inhalt von zwei Beuteln verwendet.

Welche Arten von Blutbanken gibt es? Neben öffentlichen gibt es auch private Blutbanken, die Nabelschnurblut lagern.

Öffentliche Blutbanken nehmen Spenden vom Nabelblut kostenlos an. Das Blut wird dann getestet, ob es auch in Behandlungen von nicht Verwandten genutzt werden kann. Dies ist der Fall, wenn die Stammzellen qualitativ hochwertig sind oder eine benötigte Mindetzellzahl aufweisen. Alle Anforderungen an die Qualität des Produkts erfüllt etwa jede dritte Spende. Nur diese werden später aufbewahrt. Die Informationen der Blutspende werden weltweit zur Verfügung gestellt.

Private Blutbanken hingegen verlangen eine Gebühr für die Lagerung von Nabelschnurblut, das ebenfalls auf seine Qualität geprüft wird. Es wird allerdings dem Spender selbst oder nahen Verwandten wie Geschwistern jederzeit bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Der Zeitraum der Aufbewahrung ist jedoch begrenzt. Mit Kosten zwischen 1.500 und 2.600 Euro muss außerdem gerechnet werden. Der genaue Preis richtet sich nach Anbieter und Aufbewahrungsdauer. Bisher konnten 400 Kinder mit Nabelschnurblut von der privaten Blutbank behandelt werden. Zukünftig soll es Spendern möglich sein, zunächst selbst Anspruch auf das gelagerte Blut zu haben, es aber bei nicht-Bedarf anonym an Fremde weiterzugeben.

Fakten aus der Wissenschaft: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut werden selbst für wissenschaftliche Zwecke benötigt. Derzeit wird geforscht, ob die Verwendung der Blutstammzellen auch in Behandlungen von Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei der Regeneration von Knochen und Haut sinnvoll ist.