Samstag, 25. März 2017

Nabelschnurblut

Januar 13, 2010 by  
Filed under Vorsorge

Eine Therapie mit Blutstammzellen lohnt sich schon seit vielen Jahren insbesondere fĂŒr Patienten, die an Krebs erkrankt sind. Blutstammzellen fördern zum Beispiel nach einer Transplantation den Aufbau eines intakten Immunsystems. Seit mehreren Jahren wird außerdem geforscht, ob mit Stammzellen auch Therapieerfolge bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes Typ 1 oder frĂŒhkindlichen HirnschĂ€den erzielt werden können. Die Zellen werden aus dem Knochenmark des Beckenkamms oder aus dem Blutkreislauf entnommen. Mit dem Beckenkamm ist der obere Ă€ußere Rand des Beckens gemeint. Um Knochenmark zu gewinnen, wird eine Hohlnabel durch den Knochen des Beckenkamms in das Innere des Knochens eingefĂŒhrt.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es eine zusĂ€tzliche, dritte Quelle: selbst das Nabelschnurblut ist ein wichtiger Lieferant fĂŒr Stammzellen. Mittlerweile ist die tiefgefrorene Aufbewahrung solcher Stammzellen aus dem Nabelblut in großen Blutbanken gĂ€ngig. Somit können die Zellen dem Spender selbst oder anderen Patienten Im Falle einer Erkrankung fĂŒr die Behandlung zur VerfĂŒgung gestellt werden. Seit der ersten erfolgreichen Transplantation durch eine französische Ärztin in Paris bei einem 5jĂ€hrigen Jungen ist der Bedarf an Stammzellen aus dem Nabelschnurblut kontinuierlich gewachsen. Inzwischen wurden auf der ganzen Welt ĂŒber 100.000 Patienten mit solchen Stammzellen therapiert.

Warum ist das Nabelschnurblut so kostbar: Im Nabelschnurblut befinden sich Stammzellen, die noch in einem frĂŒhen Entstehungszustand sind und sich leicht vermehren. Bei der Verwendung stehen die Chancen höher, dass der Körper eines nicht verwandten EmpfĂ€ngers diese Nabelschnurblutzellen nicht abstĂ¶ĂŸt. Das Risiko der Abstoßreaktion liegt bei anderen Stammzellen wie etwa aus dem Knochenmark höher. Des weiteren sinkt die Gefahr, an einer Infektion (beispielsweise durch Viren) zu erkranken. Das Blut ist unter anderem deshalb so wertvoll, da es risikofrei bei der Abnabelung des Neugeborenen von der Mutter gewonnen werden kann. Tiefgefroren lassen sich diese Stammzellen mehrere Jahre lang aufbewahren. Die QualitĂ€t lĂ€sst dabei nicht nach.

Ablauf der Nabelschnurblutentnahme: Einige Geburtskliniken arbeiten mit Blutbanken zusammen. Hier können sich Schwangere fĂŒr eine Entnahme des Nabelschnurbluts entscheiden. Über die Methode können sich Frauen wĂ€hrend der Geburtsvorbereitung oder bei verschiedenen Blutbanken informieren. Es ist notwendig, dass die Eltern die Entnahme schriftlich bestĂ€tigen. Nach der Geburt und der schmerzfreien Abnabelung wird das Blut aus der Nabelschnur gewonnen und in speziellen BehĂ€ltern aufbewahrt. Fachlich kompetentes Personal, der Klinikarzt oder die Hebamme, fĂŒhrt die Blutabnahme durch. Durchschnittlich können 80 ml pro Beutel gesammelt werden, es sollten jedoch mindestens 55 bis 50 ml sein. Dieser Vorgang dauert nur ein paar Minuten. Anschließend wird das kostbare Blut zur Blutbank gebracht und dort bei minus 190 Grad Celsius in flĂŒssigem Stickstoff gelagert. Das Blut wird außerdem auf QualitĂ€t und Krankheitserreger getestet. Können viele Stammzellen aus dem Nabelschnurblut entnommen werden, ist es möglich, auch erwachsene Patienten damit zu behandeln. Teilweise wird deshalb fĂŒr Erwachsene der Inhalt von zwei Beuteln verwendet.

Welche Arten von Blutbanken gibt es? Neben öffentlichen gibt es auch private Blutbanken, die Nabelschnurblut lagern.

Öffentliche Blutbanken nehmen Spenden vom Nabelblut kostenlos an. Das Blut wird dann getestet, ob es auch in Behandlungen von nicht Verwandten genutzt werden kann. Dies ist der Fall, wenn die Stammzellen qualitativ hochwertig sind oder eine benötigte Mindetzellzahl aufweisen. Alle Anforderungen an die QualitĂ€t des Produkts erfĂŒllt etwa jede dritte Spende. Nur diese werden spĂ€ter aufbewahrt. Die Informationen der Blutspende werden weltweit zur VerfĂŒgung gestellt.

Private Blutbanken hingegen verlangen eine GebĂŒhr fĂŒr die Lagerung von Nabelschnurblut, das ebenfalls auf seine QualitĂ€t geprĂŒft wird. Es wird allerdings dem Spender selbst oder nahen Verwandten wie Geschwistern jederzeit bei Bedarf zur VerfĂŒgung gestellt. Der Zeitraum der Aufbewahrung ist jedoch begrenzt. Mit Kosten zwischen 1.500 und 2.600 Euro muss außerdem gerechnet werden. Der genaue Preis richtet sich nach Anbieter und Aufbewahrungsdauer. Bisher konnten 400 Kinder mit Nabelschnurblut von der privaten Blutbank behandelt werden. ZukĂŒnftig soll es Spendern möglich sein, zunĂ€chst selbst Anspruch auf das gelagerte Blut zu haben, es aber bei nicht-Bedarf anonym an Fremde weiterzugeben.

Fakten aus der Wissenschaft: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut werden selbst fĂŒr wissenschaftliche Zwecke benötigt. Derzeit wird geforscht, ob die Verwendung der Blutstammzellen auch in Behandlungen von Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei der Regeneration von Knochen und Haut sinnvoll ist.