Dienstag, 2. September 2014

Neurodermitis

Dezember 19, 2009 by  
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Neurodermitis wird in der Fachsprache auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt. Es handelt sich hierbei um eine allergische Hauterkrankung. Die Zahl der betroffenen Kinder liegt bei 10 bis 20 Prozent. In den meisten Fällen, bei etwa 70 Prozent der an Neurodermitis erkrankten Kinder und Säuglinge, bessert sich der Zustand mit der Pubertät. Oft verschwindet das Ekzem sogar für immer. Allerdings bleibt die Tendenz, später noch einmal an Hautkrankheiten und Allergien zu erkranken. Ca. 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen leidet dauerhaft unter Neurodermitis.

Symptome: Eine extrem trockene Haut ist bezeichnend für Neurodermitis. Oft wird diese von einer stark geröteten Entzündungsstelle begleitet, die durch das Reiben und Kratzen des Betroffenen entsteht, da die Neurodermitis massiv juckt. Der Milchschorf bei Babys kann auf diese Hauterkrankung hindeuten. Oft bricht Neurodermitis bei Säuglingen ab dem 3. Monat aus, „befallen“ sind insbesondere die Wangen und die behaarte Kopfhaut. Erwachsene bekommen Neurodermitis überwiegend in den großen Gelenkbeugen, am Hals und im Gesicht. Die Ekzeme kommen meistens in Schüben und klingen eine bestimmte Zeit lang wieder ab. Betroffene leiden demnach nur selten ohne Unterbrechung an Neurodermitis-Ausschlägen, die Haut bleibt allerdings sehr trocken. Trotz heftigen Juckreiz sollte das Kratzen vermieden werden, da dadurch die Entzündung verstärkt wird und sich die Haut auf Dauer verdicken kann. Die gründliche Pflege der betroffenen Stellen tut nicht nur der Haut sehr gut, sondern kann zudem weitere Attacken hemmen.

Ursachen: Die Neigung an Neurodermitis zu erkranken ist erblich bedingt. Es gibt dennoch Auslöser, die den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Als Verursacher kommen unter anderem verschiedene Allergene (z. Bsp. Tierhaare, bestimmte Nahrungsmittel, Hausstaubmilben, Blütenpollen), Infektionskrankheiten und Stress in Frage. Selbst übertriebene Hygiene kann sich negativ auf die Haut auswirken.

Die Apotheke hilft: Neurodermitiker reinigen ihre Haut am besten mit milden Produkten und cremen insbesondere empfindliche Stellen morgens und abends mit einer geeigneten Salbe ein. Es gibt speziell für Neurodermitiker entwickelte Präparate, die oft hautähnliche Lipide und Stoffe enthalten, die das Wasser der Haut am Verdunsten hindern. Hilfreich ist vor allem der Harnstoff (Urea). Dieser kann den Grad der Feuchtigkeit im Körper umgebenden Gebilde enorm erhöhen. Somit wird der Juckreiz gemindert und die Haut fühlt sich zart und geschmeidig an. Weitere wirksame Präparate sind spezielle Hautpflegeprodukte, die Nachtkerzenöl und Borretschsamnöl enthalten. Diese liefern der erkrankten Haut Omega- und Gammalinolen-Fettsäuren. Wer das Leiden mit homöopathischen Arzneimitteln beenden möchte, kann zum Beispiel zu Salben mit Cardiospermum (Mönchsköpfchen) greifen. Extreme Juckreizanfälle können mit Cremes und Sprays gestoppt bzw. gemindert werden, die den Wirkstoff Polidocanol enthalten. Damit wird die schmerzende Stelle betäubt. Um das für sich passende Produkt zu finden, probieren viele Neurodermitiker verschiedene Heilmittel. Apotheken bieten solche Produkttests oftmals an.

Was Sie noch tun können: Besonders effektiv scheinen Klimabehandlungen zu sein. Ein hervorragendes Klima, das Heilungsprozesse beschleunigen kann, bieten zum Beispiel die Nordseeinseln. In einigen Fällen werden die Beschwerden sogar für längere Zeit unterdrückt. Empfehlenswert sind außerdem regelmäßige kurze Bäder mit 35 bis 37 Grad Wassertemperatur. Spezielle Salze oder gut spreitende Öle verhindern das Austrocknen der Haut, zudem werden Krusten und Schuppen gelöst, Reizungen gelindert und die Haut geglättet. Gegen den Juckreiz helfen feuchte Umschläge mit 0,9-prozentiger Kochsalzlösung, kaltem schwarzem Tee oder einer Gerbstofflösung, die in der Apotheke erhältlich ist.

Arztbesuch sollte erfolgen bei: Eltern sollten mit ihren Kindern und Säuglingen, die unter Neurodermitis leiden, regelmäßig zum Kinderarzt gehen. Folgende Beschwerden sollten unbedingt ärztlich untersucht werden:

  • Hautentzündungen: wenn die Haut stark gerötet ist oder eitrige, aufgekratzte Stellen aufweist

  • Juckreiz: wenn das Kind unter starkem Juckreiz leidet, der außerdem die Nachtruhe stört

  • psychische Beschwerden: wenn das Kind beispielsweise Verhaltensänderungen zeigt oder Probleme in der Schule hat

Typische Laborwerte, die auf eine Neurodermitis hinweisen, gibt es nicht. Der Arzt kann die Diagnose aber aufgrund sichtbarer und erfragter Merkmale stellen. Parallel werden Betroffene auf bestimmte Allergien getestet, um mögliche Ursachen für Neurodermitis zu erkennen. Wird bei dem Patienten die Diagnose Neurodermitis gestellt, beginnt die Grundbehandlung mit rückfettender Hautcreme und sogenannten Basissalben. Kortisonhaltige Produkte können akute Entzündungen hemmen. Aber Vorsicht: der Wirkstoff Kortison sollte stets nur für kurze Zeit angewendet werden. Der Juckreiz lässt sich hervorragend mit Antihistaminika lindern.

Vorsicht: Neurodermitiker sollten zu langes Baden und Duschen unbedingt vermeiden, da selbst bei reinem Wasser die Körper eigenen Feuchthaltestoffe aus der Haut gelöst werden. Zur Hautreinigung eignen sich pH-neutrale oder saure Reinigungsprodukte. Seifen sollten nicht verwendet werden.