Samstag, 2. August 2014

Erste Hilfe: Wunden und Wundbehandlung

April 11, 2011 by  
Filed under Erste Hilfe

Die meisten Unfälle passieren zu Hause und doch wissen wir nicht immer genau, was dann zu tun ist. Dadurch können wir oft nicht ruhig und sachlich mit der Situation umgehen.  Im Folgenden werden einige Tipps im Umgang mit häufig auftretenden Ereignissen gegeben. Aber beachten Sie, wenn Sie sich einer Sache nicht gewachsen fühlen und Sie Zweifel haben, das Richtige zu tun, dann suchen Sie sich immer Hilfe bei einem Arzt.

Behandlung von Wunden

Die Haut kann durch verschiedene Einflüsse von außen verletzt werden. Durch gewaltsame Einwirkungen, Hitze, Kälte oder chemische Stoffe kann die Haut lokal teilweise oder vollständig zerstört werden und es entsteht eine Wunde. Auch Blutgefäße, Nerven, Muskeln, Knochen oder sogar Organe können je nach Art und Heftigkeit der Gewalteinwirkung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vorgehen bei Wunden

Offene und blutende Wunden stellen immer ein Infektionsrisiko dar. Daher vermeiden Sie den direkten Kontakt. Tragen Sie zur Sicherheit Einmalhandschuhe.

Die Wunde sollte nicht ausgewaschen werden, außer es handelt sich dabei um Tierbisswunden, Verätzungen oder Verbrennungen.

Verwenden Sie keine Haushaltsmittel wie Öl, Mehl, Honig, Puder oder sonstige Mittel (Salben oder Sprays) die für die Wundversorgung nicht speziell vorgesehen sind. Sie können zu Wundheilungsstörungen führen und erschweren die ärztliche Untersuchung.

Entfernen Sie nur kleine und locker sitzende Fremdkörper mit einer Pinzette, die größeren belassen Sie in der Wunde.

Verbinden Sie die Wunde zum Schutz. Größere Wunden und bedrohliche Blutungen lassen Sie bitte ärztlich untersuchen.

Bei allen offenen Wunden muss überprüft werden, ob ein ausreichender Tetanusschutz besteht. Sie können das in Ihrem Impfpass nach schauen. Schon vorab ist die Pflege Ihres Impfschutzes zu beachten. Fragen Sie hierzu  Ihren Arzt oder Apotheker.

Schürfwunden

Obwohl Schürfwunden nur oberflächlich sind und wenig bluten, sind sie doch recht schmerzhaft. Nachdem der grobe Schmutz mit einem sauberen Tuch, aus der Wunde entfernt und gegebenenfalls mittels eines Desinfektionssprays desinfiziert worden ist, sollte die Hautverletzung möglichst an der Luft trocknen.

Bei starker Verunreinigung der Wunde kann mit physiologischer Kochsalzlösung oder -  wenn nicht zur Hand – mit destillierten Wasser oder frischem Leitungswasser die Säuberung durchgeführt werden. Dazu tränken Sie einen Schwamm in der entsprechenden Flüssigkeit und pressen diesen über der Wunde aus, sodass die Flüssigkeit beim Überströmen der Wunde die Schutzpartikel mit ausschwemmt. Kleine Steine oder Glassplitter können Sie mit einer Pinzette entfernen, größere Fremdkörper sollten von einem Arzt entfernt werden. Ein Pflasterwundverband schütz vor drohender Wiederverschmutzung oder störender Kleidung.

Wunden mit geringer Blutung

Hier ist oft ein Pflasterwundverband ausreichend. Dazu wird eine sterile Wundauflage mit Heftpflastern auf der Wunde befestigt. Die als Meterware erhältlichen Folien- und Textilpflaster können je nach Größe der Wunde zugeschnitten werden. Sehr praktisch in der Anwendung sind vorgefertigte Pflasterwundverbände, die in verschiedenen Größen in Ihrer Apotheke erhältlich sind. Sind die Hautverletzungen großflächiger, sollten sie mit einer keimfreien Wundauflege abgedeckt und mit Heftpflasterstreifen, Mullbinden oder Dreieckstüchern fixiert werden.  Bei der Wundversorgung ist immer darauf zu achten, dass die Wundauflage immer größer als die Wund ist und die Klebestreifen die Wunde nicht berühren.

Wunden mit starken Blutungen

Eine starke, nicht zu stoppende Blutung ist immer gefährlich. Bei übermäßigem Blutverlust können die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was zu Organversagen und schweren Herz-Kreislauf-Störungen bis hin  zu lebensbedrohlichen Schockzuständen führen kann. Daher gilt als erste Maßnahme das Anlegen eines Druckverbands zur Blutstillung. Der Verletzte soll sich hinlegen und die betroffene Gliedmaße, Arm oder Bein, hoch lagern. Schon das vermindert den weiteren Blutverlust. Die erste Lage des Druckverbandes ist ein steriles Wundläppchen aus einem Verbandpäckchen und fixieren Sie das mit der Mullbinde. Darauf legen Sie ein weiteres ungeöffnetes Verbandpäckchen oder ein anderes Druckpolster auf die Wunde und befestigen es mit mäßigem Zug mit der Mullbinde.

Vor dem Anlegen des Druckverbands kann durch zusätzliches Abdrücken am Arm die Blutung zum Stillstand gebracht werden. Dazu drücken Sie fest mit vier Fingern auf die Innenseite des Oberarms entlang der Muskellücke. Ist der Druckverband angelegt wird das Abdrücken beendet.

Auf stark blutende Wunden am Kopf oder Rumpf wird eine sterile Wundauflage gepresst.

Abgetrennte Gliedmaßen werden in sterile und trockene Verbandsmaterialien eingewickelt und in einen wasserdichten Plastikbeutel gegeben. Diesen wiederum legen Sie in eine zweite mit Wasser und Eis gefüllte Plastiktüte.

Benachrichtigen Sie schnellstmöglich den Notarzt!

Verletzungen

Januar 18, 2010 by  
Filed under Erste Hilfe

Nicht ohne Grund heißt es, dass sich die meisten Menschen im Alltag verletzen: Fallen lauern im Haushalt, auf der Arbeit und in der Freizeit. Um Infektionen zu vermeiden, ist eine schnelle und gründliche Erstversorgung notwendig. Zudem wird dadurch die Wundheilung beschleunigt und unschönen Narben vorgebeugt. Häufig lassen sich kleinere Schnitt- und Schürfwunden selbst versorgen. Über eine Haus- und Reiseapotheke mit dem richtigen Sortiment an Pflastern, Medikamenten und Co. sollte jeder verfügen.

Symptome und Ursachen:

  • Schnitte rufen oft stark blutende Wunden mit glatten Wundrändern hervor. Kleine Wunden kann man ruhig etwas bluten lassen, denn dadurch werden Keime ausgeschwemmt. Anschließend mit einem Pflaster oder einer sterilen Kompresse und Verband vor Dreck von außen schützen. Größere Wunden müssen entweder von einem Arzt genäht oder mit einem Klammerpflaster zusammengehalten werden.

  • Schürfwunden bluten kaum, sind aber oftmals sehr schmerzhaft und verunreinigt. Da sich Schürfwunden schnell infizieren, sollte die Wunde mit reichlich Leitungswasser abgespült und anschließend desinfiziert werden. Kleinere Schürfwunden heilen an der Luft besser, größere sollten mit einem Pflaster, das die komplette Wunde abdeckt, geschützt werden.

  • Ob Bisswunden tief sind, hängt oft von der Größe des Tieres und von seinem Gebiss ab. Das Infektionsrisiko ist hoch, da der Speichel von Tieren unzählige Erreger enthält. Deshalb muss in diesem Fall sofort ein Arzt aufgesucht werden.

  • Platzwunden entstehen durch stumpfe Gewalt wie zum Beispiel durch einen Sturz auf den Hinterkopf. Kennzeichnend sind ungleichmäßige Wundränder und eine starke Blutung. Je nachdem wie groß die Verletzung ist, muss die Wunde genäht oder geklebt werden.

  • Quetschwunden entstehen, wenn das Gewebe gewaltsam zusammengedrückt wird wie zum Beispiel bei einem eingeklemmten Finger. Oft sind Blutergüsse die Folge.

  • Risswunden dagegen werden von spitzen Gegenständen verursacht, indem man beispielsweise an einem Stacheldrahtzaun hängen bleibt. Das Gewebe reißt und Infektionen können leicht entstehen.

Erste Hilfe: Wunden können ideal unter fließendem kaltem Wasser gesäubert werden. Sichtbare Verunreinigungen können mit Hilfe von Pinzetten oder Tupfer entfernt werden. Tief liegenden Schmutz reinigt der Arzt. Danach kann die Wunde desinfiziert und je nach Größe mit einem Pflaster abgedeckt werden. Stark blutende Wunden müssen – bis der Arzt eintrifft – sofort mit einem Druckverband versorgt werden. Bei der Behandlung Fremder stets Einmalhandschuhe tragen!

Die Apotheke hilft: Kleine harmlose Wunden reinigen, desinfizieren und mit einem Pflaster versorgen. Hierfür bietet die Apotheke optimale Desinfektionsmittel mit Wirkstoffen auf Jodbasis (PVP-Jod), Octenidin oder Chlorhexidindigluconat, die kaum brennen.

Pflaster gibt es in verschiedenen Formen: einige sind wasserfest, vorgeschnitten oder am Stück und speziell für empfindliche Haut geeignet. Pflaster mit Silberauflage wirken antibakteriell und können auch präventiv eingesetzt werden, um Entzündungen vorzubeugen. Hydrogel- und Hydrokolloidpflaster sind insbesondere bei nässenden Wunden sinnvoll. Sie unterstützen den Heilungsprozess und halten mehrere Tage auf der Haut. Zudem ist das Heilungsklima optimal und Wunden werden nicht verklebt. Sprühpflaster können bei nicht-blutenden Wunden eingesetzt werden und sind ideal an beweglichen Körperteilen. Schürfwunden werden mit diesen besonderen Pflastern oft versorgt. Bei Blasen helfen dagegen spezielle Blasenpflaster, deren Gelkissen die Schmerzen lindern – selbst bei offenen Blasen. Diese sollten übrigens nie selbst geöffnet werden, da hierbei schnell Entzündungen entstehen.

Kleine Wunden wie Schürfwunden lassen sich bestens mit Wundgelen oder Wundheilsalben behandeln, welche die Wirkstoffe Dexpanthenol, Zink und Lebertran oder Ringelblumenextrakte enthalten. Diese unterstützen den Genesungsprozess. Ist die Wunde bereits zugeheilt, kann ein Narbenspezifikum angewendet werden, dass die Narbenbildung positiv beeinflusst. Kombinationen aus Zwiebelextrakt, Heparin und Allantoin haben sich hierfür oft bewährt. Die Narbe passt sich dem gesunden Gewebe an und wird mit reichlich Feuchtigkeit gespeist. Besonders bei Narben an Gelenken wird die Beweglichkeit verbessert. Stumpfe Verletzungen, die Blutergüsse mit sich ziehen, lassen sich ideal mit Arnika- und Beinwellmischungen sowie heparinhaltigen Salben therapieren. Da eine Wundheilung bis zu zwei Jahre dauern kann, müssen Narbensalben über eine längere Zeit konsequent angewendet werden.Desinfektionsmittel nur akut anwenden, da sie die Wundheilung beeinflussen. Niemals Puder auf tiefe oder nässende Wunden auftragen, hierbei droht die Gefahr der Infektion. Pflaster täglich wechseln.

Reicht ein Pflaster bei großen Verletzungen nicht aus, können sterile Wundauflagen mit einer Mullbinde verwendet werden.

Was Sie noch tun können: Eine gut ausgestattete Hausapotheke sollte Folgendes enthalten

  • Verbandsmull, Mullbinden und Verbandspäckchen

  • Pflaster sowie sterile Kompressen

  • Desifektionsmittel, Wund- und Narbensalbe

  • Verbandsschere, Splitterpinzette

  • Kühlkompresse für stumpfe Verletzungen

Arztbesuch sollte erfolgen bei: Jede Platz- und Bisswunde sowie schwerwiegendere Riss-, Schnitt- und Quetschwunden sollten vom Arzt behandelt werden. Rötet sich die Wunde, wird sie eitrig oder schwillt an, muss ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Der Fachmann sollte ebenfalls informiert werden, wenn die letzte Tetanus-Impfung länger als 10 Jahre her ist. Der Arzt wird sich erkundigen, wie die Verletzung entstanden ist sowie Beweglichkeit, Gefühl und Durchblutung kontrollieren. Zudem wird er die Wunde genau untersuchen, eventuelle Verunreinigungen entfernen und desinfizieren. Je nach Ausmaß der Verletzung muss die Wunde genäht, geklammert oder geklebt werden.

Übrigens: Für die Erstversorgung bei stumpfen Verletzungen gilt die PECH-Regel

  • Pause: Der verwundete Körperbereich wird ruhig gestellt.

  • Eis: Die stumpfe Verletzung 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Eis sollte aber niemals direkt die Haut berühren, deshalb ein Tuch dazwischen legen. Eissprays nur bei unbeschädigter Haut anwenden.

  • Compression: Ein leichter Kompressionsverband hemmt die Schwellung. Vorsicht: nicht zu straff anlegen!

  • Hochlegen: Der verletze Körperteil sollte stets höher liegen als das Herz.