Mittwoch, 16. April 2014

Selbstmedikation mit rezeptfreien Medikamenten

März 27, 2010 by  
Filed under Pharmazie

© Marco Wydmuch - Fotolia.comViele Menschen suchen bevorzugt ihre Apotheke des Vertrauens auf, wenn kleinere Beschwerden auftreten. Die Apotheke bietet eine Vielzahl an rezeptfreien Arzneimitteln, wenn der Rat vom Arzt nicht notwendig ist. Was Sie bei der Selbstmedikation zu beachten ist, soll im Folgenden näher erläutert werden.

Warum sind einige Medikamente rezeptpflichtig und andere nicht? Grundsätzlich gilt, dass das rezeptfreie Medikament einen bestimmten Nutzen erfüllen muss ohne dabei eine gewisse Risikogrenze zu überschreiten. Arzneimittel sind lediglich frei erhältlich, wenn das Krankheitsbild vom Patienten selbst therapiert werden kann und die Selbstbehandlung keine schwerwiegenden Nebenwirkungen birgt, so dass eine ärztliche Kontrolle nicht nötig ist. Krankheiten, die unbedingt von einem Arzt behandelt werden müssen, lassen sich dagegen nicht selbstständig beheben. Hier muss der Betroffene ein Rezept vorlegen, um die entsprechenden Medikamente in der Apotheke zu bekommen. Welche Mittel für jeden frei zugänglich sind und welche nicht entscheiden Sachverständiger am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Einige Arzneimittel wie zum Beispiel Präparate mit dem Wirkstoff Paracetamol sind für Patienten ohne ärztliches Rezept in Packungsgröße und Dosierung beschränkt. Dies soll verhindern, dass der Erkrankte eine übermäßige Menge des Wirkstoffes zu sich nimmt, da das Schmerzmittel nur in einer gewissen Dosierung gut verträglich ist. Rezeptfreie Antibiotika werden deshalb nie verkäuflich sein.

Was muss bei der Selbstmedikation dringend beachtet werden? Oft beginnt der Arzt eine geeignete Medikation, welche der Patient später eigenständig fortsetzen kann. Die Selbstmedikation setzt voraus, dass der Patient seine Beschwerden richtig einordnen kann, über mögliche Wechselwirkungen bei der parallelen Einnahme verschiedener Arzneimittel informiert ist und weiß, wann ein Arztbesuch unumgänglich ist. Bei Unsicherheiten über eventuelle Wechselwirkungen unterschiedlicher Produkte sollte der Arztbesuch in jedem Fall erfolgen.

Bei der Einnahme eines rezeptfreien Produktes müssen Sie sich genau an die Anweisungs- und Dosierungshinweise halten. Lesen Sie sich die komplette Packungsbeilage vor der Einnahme des Medikaments durch und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren Arzt oder Apotheker. Lassen Sie sich in der Apotheke umfassend beraten, damit Sie ein Medikament bekommen das gezielt Ihre persönlichen Beschwerden lindert.

Wann sollte auf die Selbstbehandlung verzichtet werden? Die eigenständige Medikation sollte nicht erfolgen, wenn

  • ein rezeptpflichtiges Medikament nötig ist

  • ein bestimmtes Krankheitsbild bzw. ein Symptom zum ersten Mal auftritt

  • die Beschwerden länger als zwei bis drei Tage anhalten

  • sich das Krankheitsbild verschlechtert oder neue Symptome auftreten

  • die Erkrankung häufig wiederkehrt

  • es sich bei dem Patienten um eine Schwangere oder ein Kind handelt

Vor allem bei der unkontrollierten Einnahme von Schlafmitteln, Antibiotika und Psychopharmaka kann es zu gravierenden Problemen kommen. Daher sind die genannten Arzneimittel zur Selbstmedikation nicht geeignet. Dennoch sollten Patienten niemals vergessen, dass auch die meisten frei erhältlichen Medikamente mögliche Nebenwirkungen aufweisen. Daher wird ein verantwortungsbewusster Umgang mit den homöopathischen Präparaten vorausgesetzt. Vorsicht ist ebenfalls bei rein pflanzlichen Präparaten geboten. Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminprodukte und medizinische Tees haben zwar keinen nachweisbaren oder nur einen geringen Effekt, dennoch sollten auch diese Hilfsmittel nicht unkontrolliert zugeführt werden.

Wann ist der Arztbesuch unumgänglich? Ganz gleich, um welche Beschwerden es sich handelt – sind die Schmerzen bzw. Symptome stark ausgeprägt, sollte der Patient umgehend zum Arzt gehen. Je nachdem um welches Krankheitsbild es geht, wird der Apotheker dem Betroffenen beratend zur Seite stehen und im Notall einen Arztbesuch empfehlen. Der Apotheker hat ein umfassendes, geschultes Wissen. Er kann dem Patienten genau sagen, welche rezeptfreien Medikamente gezielt helfen. Des weiteren wird er erkennen, ob der Kunde seine Erkrankung gut einschätzen kann und daher die Selbstmedikation ratsam ist.

Die Hausapotheke hilft: Bei leichten Symptomen greifen viele Menschen auf ihre Hausapotheke zurück. Diese sollte aber gut organisiert sein. Medikamente mit abgelaufenem Verfallsdatum haben im eigenen Heim nichts mehr zu suchen. Sie sollten aber keinesfalls in den Hausmüll geworfen, sondern können in einer Apotheke abgegeben werden. Bestimmte Arzneimittel wie zum Beispiel Nasensprays und Augentropfen haben direkt nach Anbruch eine eingeschränkte Verfallszeit. Bei einer späteren Einnahme kommt es nicht mehr zu der gewünschten Wirksamkeit.