Montag, 21. April 2014

Befruchtung, Einnistung und Mehrzellstadium

März 9, 2010 by  
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© Secret Side - Fotolia.comVorbereitung der Eizelle: Die Eizellen der Frau bilden sich bereits im weiblichen Embryo. Ein neugeborenes Mädchen hat rund eine halbe Millionen Eizellen in den Eierstöcken. In der geschlechtsreifen Phase allerdings reifen nur etwa 500 von ihnen an und „springen“. Der Eisprung (Ovulation) beschreibt den Prozess, wenn die Eizellen vom Eierstock in den Eileiter wandern und beginnt mit Einsetzen der regelmäßigen Menstruation. Er findet dann etwa in der Mitte des Zyklus statt, also etwa 14 Tage nach Beginn der Monatsblutung. Kurz zuvor kann die Frau bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr schwanger werden.

Normalerweise reifen mehrere Eizellen in jeweils einem Eibläschen gleichzeitig an. Am 12. Tag nach Beginn der Monatsblutung reift eine einzige Eizelle besonders und springt dann etwa zwei Tage später. Die anderen Eizellen bilden sich dagegen zurück. Während des Eisprungs trennt sich die reife Eizelle vom Eierstock und gelangt in den sogenannten Fimbrientrichter am bauchseitigen Abschluss des Eileiters. Über den Eileiter wandert diese dann in Richtung der Gebärmutter (Uterus). Die nächsten 12 Stunden ist die Eizelle befruchtungsbereit. Findet die Befruchtung nicht statt, verfällt sie.

An der Stelle, in der die Eizelle reift, wird nach dem Eisprung das Gelbkörperhormon gebildet, das dem Körper ein Zeichen gibt, dass eine Eizelle in Richtung Gebärmutter wandert. Kann sich die Eizelle in den darauf folgenden Tagen jedoch nicht in die Gebärmutter einnisten, wird auch die Produktion des Gelbkörperhormons eingestellt und die nächste Menstruation setzt ein. Sofern sich die Eizelle einnisten konnte, wird in dem sich nun entwickelnden Mutterkuchen (Plazenta) das humane Choriogenadotropin (hCG) gebildet. Auf genau dieses Hormon reagieren zum Beispiel Schwangerschaftstest. Es signalisiert dem Körper die erfolgreiche Einnistung und aktiviert den Gelbkörper zur vermehrten Hormonproduktion.

Vorbereitung der Spermien: Während schon bei neugeborenen Mädchen unzählige Eizellen gebildet werden, beginnt die Bildung der Samenzellen (Spermien) bei Jungen erst viel später. Männliche Kinder weisen lediglich Urformen der Samenzellen in den Hoden auf. Aus diesen Urformen bilden sich stoßweise (etwa alle 16 Tage) Spermien heraus. Der gesamte Prozess dauert ungefähr 74 Tage, so dass zum Beispiel Fiebererkrankungen noch zwei Monate lang die Spermienqualität beeinträchtigen können. Das Sekret, das beim Samenerguss freigesetzt wird, besteht überwiegen aus Nährflüssigkeit, die das Überleben der Spermienzellen etwa 72 Stunden sichert. Innerhalb dieser Zeit muss eine Samenzelle auf die Eizelle treffen, damit es zur Befruchtung kommt. In den Hoden werden das ganze Leben lang Samen gebildet, allerdings nimm die Anzahl mit dem Alter ab.

Befruchtung und Frühschwangerschaft: Sobald beim Liebesakt der Samenerguss des Mannes einsetzt, begeben sich die Spermienzellen auf die Suche nach der reifen Eizelle, dabei wandern sie durch die Gebärmutter in die Eileiter. Nur ein einziges Spermium, und zwar das schnellste, kann die Eizelle erreichen und seine Gene (Erbsubstanz) „entleeren“, vorausgesetzt die reife Eizelle steht aufgrund eines Eisprungs überhaupt zur Verfügung. Durch die Verschmelzung von Ei- und Spermienzelle entsteht eine ganz neue Genmischung und ein kleiner Mensch beginnt sich zu entwickeln. Nur selten kommt es zu einem doppelten Eisprung. Sofern beide Eizellen befruchtet werden, entwickeln sich zweieiige Zwillinge mit unterschiedlichem Genmaterial. Daher können zweieiige Zwillinge verschiedene Geschlechter annehmen.

Durch die Teilung der befruchteten Eizelle bildet sich ein Zellhaufen, die sogenannte Morula, der sich ca. sechs Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter einnistet. Aufgrund der Einnistung (Implantation) stehen Mutter und Kind in Verbindung, so dass der Embryo durch die Mutter mit den lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt wird und Stoffwechselabfallprodukte weitergeben werden können. Wichtig dabei ist, dass das Immunsystem der Schwangeren dieses Zellhaufen nicht als Fremdkörper behandelt und abstößt. Zudem darf die Membran zwischen Zellhaufen und der Schwangeren nicht zu dick sein, damit der Nährstoffaustausch reibungslos stattfinden kann.

Bei einigen Schwangeren teilt sich plötzlich der gesamte Zellhaufen. Vorausgesetzt, beide Zellhaufen entwickeln sich, wachsen eineiige Zwillinge heran. Bei der unvollständigen Teilung des Zellhaufens kommt es zu Siamesischen Zwillingen. Diese können unter anderem an Kopf oder Schulter aufgrund der nicht vollendeten Teilung zusammengewachsen bleiben. Zu dieser Entwicklungsstörung kommt es allerdings sehr selten, da der Körper die Fehlentwicklung oftmals bemerkt und es zu einer Fehlgeburt kommt. Mediziner schätzen, dass etwa jede zweite Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet. Häufig bemerken Frauen gar nicht, dass sie überhaupt schwanger sind oder waren. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium wird die Fehlgeburt von Schmerzen oder Blutungen begleitet. In diesem Fall erfolgt ein medizinischer Eingriff (Ausschabung), bei dem die Zellreste entfernt werden, damit diese sich nicht entzünden.

Bei einer normalen, komplikationsfreien Schwangerschaft nistet sich der Zellhaufen in die Gebärmutterschleimhaut ein und wächst durch Zellteilung kontinuierlich heran. Diese Morula wird durch die Diffusion aus dem Blutkreislauf der Schwangeren ernährt. Die Diffusion funktioniert auf die selbe Weise, wie ein Taschentuch, das eine nasse Stelle berührt und durchnässt. Innerhalb der Morula bildet sich ein Hohlraum, der einen weiteren Zellhaufen enthält. Dieser kleinere Zellhaufen ist durch eine kleine Brücke (die spätere Nabelschnur) mit der Morula verbunden. Kurze Zeit später entsteht durch diverse Umformungen ein Flüssigkeitskreislauf, der durch einen ebenfalls neu gebildeten, sich stetig zusammenziehenden Muskelschlauch in Bewegung gehalten wird. Durch den Flüssigkeitskreislauf können Nährstoffe von der Schwangeren in den Zellhaufen gelangen. Der Zellhaufen wächst eifrig weiter, es kommt allmählich zur Bildung von Organen (Darm, Niere, blutgefäße) zudem wird das Nervensystem (Gehirn, Nervenbahnen) ausgebildet. Die Zellspezialisierung auf bestimmte Funktionen wird in der Medizin Differenzierung genannt.

Die folgenden 12 Wochen werden als Embryogenese bezeichnet: aus dem ursprünglichen Zellhaufen bildet sich ein Embryo. In dieser Zeit entwickelt der Embryo Arme, Finger, Beine, Zehennnägel und die Nervenleitungsbahnen werden geknüpft. Außerdem erhält der gesamte Embryo einen Blutkreislauf und das Herz bildet sich aus dem ehemaligen Muskelschlauch heraus. Aufgrund der äußerst komplexen Prozesse ist der Embryo sehr empfindlich. Daher sollte die Schwangere jeglichen Kontakt mit schädlichen Stoffen vermeiden. Viele Frauen erzählen ihren Freunden und der Familie erst nach Ende der 12. Woche von der Schwangerschaft, wenn die sensible Phase vorbei ist. Ab diesem Zeipunkt spricht man nicht mehr von einem Embryo, sondern von einem sehr kleinen Mensch, dem Fetus. Alle Organe sind angelegt und entwickeln sich in den nächsten Wochen weiter. So bereiten sich Lunge, Niere und Leber auf ihre Funktionen vor.