Freitag, 6. März 2015

Befruchtung, Einnistung und Mehrzellstadium

MĂ€rz 9, 2010 by  
Filed under Schwangerschaft

© Secret Side - Fotolia.comVorbereitung der Eizelle: Die Eizellen der Frau bilden sich bereits im weiblichen Embryo. Ein neugeborenes MĂ€dchen hat rund eine halbe Millionen Eizellen in den Eierstöcken. In der geschlechtsreifen Phase allerdings reifen nur etwa 500 von ihnen an und „springen“. Der Eisprung (Ovulation) beschreibt den Prozess, wenn die Eizellen vom Eierstock in den Eileiter wandern und beginnt mit Einsetzen der regelmĂ€ĂŸigen Menstruation. Er findet dann etwa in der Mitte des Zyklus statt, also etwa 14 Tage nach Beginn der Monatsblutung. Kurz zuvor kann die Frau bei ungeschĂŒtztem Geschlechtsverkehr schwanger werden.

Normalerweise reifen mehrere Eizellen in jeweils einem EiblĂ€schen gleichzeitig an. Am 12. Tag nach Beginn der Monatsblutung reift eine einzige Eizelle besonders und springt dann etwa zwei Tage spĂ€ter. Die anderen Eizellen bilden sich dagegen zurĂŒck. WĂ€hrend des Eisprungs trennt sich die reife Eizelle vom Eierstock und gelangt in den sogenannten Fimbrientrichter am bauchseitigen Abschluss des Eileiters. Über den Eileiter wandert diese dann in Richtung der GebĂ€rmutter (Uterus). Die nĂ€chsten 12 Stunden ist die Eizelle befruchtungsbereit. Findet die Befruchtung nicht statt, verfĂ€llt sie.

An der Stelle, in der die Eizelle reift, wird nach dem Eisprung das Gelbkörperhormon gebildet, das dem Körper ein Zeichen gibt, dass eine Eizelle in Richtung GebÀrmutter wandert. Kann sich die Eizelle in den darauf folgenden Tagen jedoch nicht in die GebÀrmutter einnisten, wird auch die Produktion des Gelbkörperhormons eingestellt und die nÀchste Menstruation setzt ein. Sofern sich die Eizelle einnisten konnte, wird in dem sich nun entwickelnden Mutterkuchen (Plazenta) das humane Choriogenadotropin (hCG) gebildet. Auf genau dieses Hormon reagieren zum Beispiel Schwangerschaftstest. Es signalisiert dem Körper die erfolgreiche Einnistung und aktiviert den Gelbkörper zur vermehrten Hormonproduktion.

Vorbereitung der Spermien: WĂ€hrend schon bei neugeborenen MĂ€dchen unzĂ€hlige Eizellen gebildet werden, beginnt die Bildung der Samenzellen (Spermien) bei Jungen erst viel spĂ€ter. MĂ€nnliche Kinder weisen lediglich Urformen der Samenzellen in den Hoden auf. Aus diesen Urformen bilden sich stoßweise (etwa alle 16 Tage) Spermien heraus. Der gesamte Prozess dauert ungefĂ€hr 74 Tage, so dass zum Beispiel Fiebererkrankungen noch zwei Monate lang die SpermienqualitĂ€t beeintrĂ€chtigen können. Das Sekret, das beim Samenerguss freigesetzt wird, besteht ĂŒberwiegen aus NĂ€hrflĂŒssigkeit, die das Überleben der Spermienzellen etwa 72 Stunden sichert. Innerhalb dieser Zeit muss eine Samenzelle auf die Eizelle treffen, damit es zur Befruchtung kommt. In den Hoden werden das ganze Leben lang Samen gebildet, allerdings nimm die Anzahl mit dem Alter ab.

Befruchtung und FrĂŒhschwangerschaft: Sobald beim Liebesakt der Samenerguss des Mannes einsetzt, begeben sich die Spermienzellen auf die Suche nach der reifen Eizelle, dabei wandern sie durch die GebĂ€rmutter in die Eileiter. Nur ein einziges Spermium, und zwar das schnellste, kann die Eizelle erreichen und seine Gene (Erbsubstanz) „entleeren“, vorausgesetzt die reife Eizelle steht aufgrund eines Eisprungs ĂŒberhaupt zur VerfĂŒgung. Durch die Verschmelzung von Ei- und Spermienzelle entsteht eine ganz neue Genmischung und ein kleiner Mensch beginnt sich zu entwickeln. Nur selten kommt es zu einem doppelten Eisprung. Sofern beide Eizellen befruchtet werden, entwickeln sich zweieiige Zwillinge mit unterschiedlichem Genmaterial. Daher können zweieiige Zwillinge verschiedene Geschlechter annehmen.

Durch die Teilung der befruchteten Eizelle bildet sich ein Zellhaufen, die sogenannte Morula, der sich ca. sechs Tage nach der Befruchtung in die GebĂ€rmutter einnistet. Aufgrund der Einnistung (Implantation) stehen Mutter und Kind in Verbindung, so dass der Embryo durch die Mutter mit den lebensnotwendigen NĂ€hrstoffen versorgt wird und Stoffwechselabfallprodukte weitergeben werden können. Wichtig dabei ist, dass das Immunsystem der Schwangeren dieses Zellhaufen nicht als Fremdkörper behandelt und abstĂ¶ĂŸt. Zudem darf die Membran zwischen Zellhaufen und der Schwangeren nicht zu dick sein, damit der NĂ€hrstoffaustausch reibungslos stattfinden kann.

Bei einigen Schwangeren teilt sich plötzlich der gesamte Zellhaufen. Vorausgesetzt, beide Zellhaufen entwickeln sich, wachsen eineiige Zwillinge heran. Bei der unvollstĂ€ndigen Teilung des Zellhaufens kommt es zu Siamesischen Zwillingen. Diese können unter anderem an Kopf oder Schulter aufgrund der nicht vollendeten Teilung zusammengewachsen bleiben. Zu dieser Entwicklungsstörung kommt es allerdings sehr selten, da der Körper die Fehlentwicklung oftmals bemerkt und es zu einer Fehlgeburt kommt. Mediziner schĂ€tzen, dass etwa jede zweite Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet. HĂ€ufig bemerken Frauen gar nicht, dass sie ĂŒberhaupt schwanger sind oder waren. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium wird die Fehlgeburt von Schmerzen oder Blutungen begleitet. In diesem Fall erfolgt ein medizinischer Eingriff (Ausschabung), bei dem die Zellreste entfernt werden, damit diese sich nicht entzĂŒnden.

Bei einer normalen, komplikationsfreien Schwangerschaft nistet sich der Zellhaufen in die GebĂ€rmutterschleimhaut ein und wĂ€chst durch Zellteilung kontinuierlich heran. Diese Morula wird durch die Diffusion aus dem Blutkreislauf der Schwangeren ernĂ€hrt. Die Diffusion funktioniert auf die selbe Weise, wie ein Taschentuch, das eine nasse Stelle berĂŒhrt und durchnĂ€sst. Innerhalb der Morula bildet sich ein Hohlraum, der einen weiteren Zellhaufen enthĂ€lt. Dieser kleinere Zellhaufen ist durch eine kleine BrĂŒcke (die spĂ€tere Nabelschnur) mit der Morula verbunden. Kurze Zeit spĂ€ter entsteht durch diverse Umformungen ein FlĂŒssigkeitskreislauf, der durch einen ebenfalls neu gebildeten, sich stetig zusammenziehenden Muskelschlauch in Bewegung gehalten wird. Durch den FlĂŒssigkeitskreislauf können NĂ€hrstoffe von der Schwangeren in den Zellhaufen gelangen. Der Zellhaufen wĂ€chst eifrig weiter, es kommt allmĂ€hlich zur Bildung von Organen (Darm, Niere, blutgefĂ€ĂŸe) zudem wird das Nervensystem (Gehirn, Nervenbahnen) ausgebildet. Die Zellspezialisierung auf bestimmte Funktionen wird in der Medizin Differenzierung genannt.

Die folgenden 12 Wochen werden als Embryogenese bezeichnet: aus dem ursprĂŒnglichen Zellhaufen bildet sich ein Embryo. In dieser Zeit entwickelt der Embryo Arme, Finger, Beine, ZehennnĂ€gel und die Nervenleitungsbahnen werden geknĂŒpft. Außerdem erhĂ€lt der gesamte Embryo einen Blutkreislauf und das Herz bildet sich aus dem ehemaligen Muskelschlauch heraus. Aufgrund der Ă€ußerst komplexen Prozesse ist der Embryo sehr empfindlich. Daher sollte die Schwangere jeglichen Kontakt mit schĂ€dlichen Stoffen vermeiden. Viele Frauen erzĂ€hlen ihren Freunden und der Familie erst nach Ende der 12. Woche von der Schwangerschaft, wenn die sensible Phase vorbei ist. Ab diesem Zeipunkt spricht man nicht mehr von einem Embryo, sondern von einem sehr kleinen Mensch, dem Fetus. Alle Organe sind angelegt und entwickeln sich in den nĂ€chsten Wochen weiter. So bereiten sich Lunge, Niere und Leber auf ihre Funktionen vor.